225/55 R16: Im Sommer bis 300 km/h, im Winter ist bei 240 Schluss
Die Größe 225/55 R16 läuft an Kompaktvans, Kombis und Mittelklasse-Limousinen. Wer sie nachkauft, findet ein deutlich größeres Regal als erwartet: 311 lieferbare Ausführungen von 239 Modellen aus 74 Marken, Stand 23. September 2026. Diese Zahlen stammen aus unserem eigenen, tagesaktuellen Katalogbestand — nicht aus einer Herstellerliste.
Beim Auszählen ist uns dabei ein Muster aufgefallen, das in keiner Produktbeschreibung steht und ausgerechnet in dieser Dimension besonders hart zuschlägt. Das Sommerregal dieser Größe ist außergewöhnlich schnell — und das Winterregal kommt da nicht mit. 106 der 155 Sommerreifen sind für mindestens 270 km/h freigegeben. Unter den 95 Winterreifen ist es kein einziger. Wer davon nichts weiß, sucht im Oktober nach etwas, das es in 16 Zoll gar nicht gibt.
Was in dieser Größe im Regal steht
Die 311 Ausführungen verteilen sich auf drei Jahreszeiten: 155 Sommerreifen, 95 Winterreifen und 61 Ganzjahresreifen; 310 davon laufen im Sortiment unter den Pkw-Reifen, ein einzelner Eintrag unter den Offroad-Reifen. Das Verhältnis ist typisch für eine Mittelklassegröße — der Sommerreifen stellt die Hälfte, der Winterreifen nicht ganz ein Drittel, und der Ganzjahresreifen hat sich mit einem knappen Fünftel längst festgesetzt.
Beim Preis liegt der Median bei 94,17 Euro je Reifen, der günstigste lieferbare Reifen bei 47,30 Euro. Ein kompletter Satz beginnt damit bei 189,20 Euro, der mittlere Satz kostet 376,68 Euro. Zwischen den Jahreszeiten sind die Abstände kleiner, als viele erwarten: Der Median liegt beim Sommerreifen bei 93,70 Euro, beim Winterreifen bei 98,16 Euro und beim Ganzjahresreifen bei 91,26 Euro. Der Winterreifen kostet in dieser Größe also rund fünf Prozent mehr als der Sommerreifen, nicht ein Drittel.
Wir rechnen bewusst mit dem Median und nennen keine Höchstpreise. In einem Sortiment dieser Größe steht immer einmal eine Ausführung mit offensichtlich verrutschtem Preis im Regal; genau eine der 311 lag über dem 3,5-fachen des Größenmedians und ist aus allen Preisangaben dieses Beitrags herausgerechnet. Die Stückzahlen weiter unten beziehen sich dagegen auf alle 311 Ausführungen.
Die Tragfähigkeitszahl ist hier schnell erzählt: Es gibt nur zwei, und sie sind ungleich verteilt. 234 der 311 Ausführungen tragen die 99, nur 77 die 95. Die 95 steht für 690 Kilogramm je Reifen, die 99 für 775 Kilogramm — 85 Kilogramm Unterschied pro Rad. Der Wert aus Ihren Fahrzeugpapieren ist dabei ein Mindestwert: Nach oben dürfen Sie frei wählen, nach unten nicht. Wie Sie beide Angaben in den Papieren finden, steht in unserem Ratgeber zu Last- und Geschwindigkeitsindex am Reifen; dass die Zahl vor dem Buchstaben preislich meist stärker durchschlägt als der Buchstabe selbst, haben wir an anderer Stelle an einer kompletten Größe durchgerechnet.
31-mal die 300er-Freigabe: die schnellste 16-Zoll-Größe im Regal
Jetzt zu dem Buchstaben, der hinter der Tragfähigkeitszahl steht. Über alle Jahreszeiten hinweg tragen in 225/55 R16 108 Ausführungen ein W (bis 270 km/h) und 31 ein Y (bis 300 km/h) — zusammen 139 von 311, also fast jede zweite.
Das ist für eine 16-Zoll-Größe ungewöhnlich viel. Wir haben es gegengeprüft und alle Pkw-Größen mit 16 Zoll Felgendurchmesser aus unserem Bestand nebeneinandergelegt: Keine andere 16-Zoll-Größe führt so viele Y-Reifen wie diese. In 215/55 R16 sind es 23, in der Bestseller-Größe 205/55 R16 trotz mehr als doppelt so großem Regal nur 10, in 205/60 R16 genau einer. Die hohen Freigaben konzentrieren sich also nicht gleichmäßig über das 16-Zoll-Segment, sondern sammeln sich in wenigen breiten Dimensionen — und 225/55 R16 ist die deutlichste davon.
Dass das so ist, sagt etwas über die Fahrzeuge aus, die in dieser Größe unterwegs sind. Eine Y-Freigabe wird nicht produziert, weil sie schön aussieht: Sie entsteht, weil Fahrzeuge existieren, deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit in diesem Bereich liegt und die ab Werk oder im Winterbetrieb auf 16-Zoll-Rädern laufen. Im Sommerregal dieser Größe ist die hohe Freigabe sogar der Normalfall: 76-mal W, 30-mal Y, 48-mal V und genau einmal H. Wer hier einen betont ruhig ausgelegten Tourenreifen mit H-Freigabe sucht, findet im Sommer praktisch nichts.
Im Winterregal ist bei 240 km/h Schluss — und zwar in ganz 16 Zoll
Im Winter dreht sich dieses Bild nicht nur, es bricht ab. Unter den 95 Winterreifen dieser Größe verteilen sich die Freigaben so: 70-mal H (bis 210 km/h), 21-mal V (bis 240 km/h), dazu je ein einzelner Reifen mit Q und R sowie zwei mit T. W und Y kommen kein einziges Mal vor. Die höchste Freigabe, die Sie in dieser Größe im Winter überhaupt kaufen können, ist V — und die trägt nicht einmal jede vierte Ausführung.
Das ist keine Eigenart unseres Sortiments und auch keine Eigenart dieser Dimension. Wir haben den gesamten lieferbaren Pkw-Winterbestand nach Felgendurchmesser sortiert und den jeweils höchsten vorkommenden Geschwindigkeitsindex abgelesen. Das Ergebnis ist eine erstaunlich saubere Treppe:
- 13 Zoll (226 Ausführungen): höchstens T, also 190 km/h
- 14 Zoll (586): höchstens H — und H nur 42-mal
- 15 Zoll (1.110): höchstens V, aber nur 18 Ausführungen erreichen sie
- 16 Zoll (1.390): höchstens V, 173 Ausführungen — kein einziges W, kein einziges Y
- 17 Zoll (1.671): erstmals W, aber ganze 6 Ausführungen
- 18 Zoll (1.431): erstmals Y, zusammen mit W 63 Ausführungen
- 19 Zoll (1.177): 213 Ausführungen mit W oder Y
- 20 Zoll (838): 276 Ausführungen mit W oder Y
Der Geschwindigkeitsindex eines Winterreifens hängt damit sehr direkt am Felgendurchmesser. Unterhalb von 17 Zoll gibt es im gesamten Pkw-Winterregal keinen einzigen Reifen über 240 km/h, und erst ab 19 Zoll wird die hohe Freigabe zum Normalfall. Der Grund ist banal und technisch zugleich: Fahrzeuge, die 270 oder 300 km/h laufen, werden von ihren Herstellern nicht auf 15- oder 16-Zoll-Rädern freigegeben — und wo es keine Fahrzeuge gibt, entwickelt kein Hersteller den passenden Winterreifen. Wer seinen Winterradsatz bewusst eine Nummer kleiner wählt, kauft diese Decke also mit.
Was das Gesetz dazu sagt — und was es nicht erlaubt
An dieser Stelle wird aus einer Regalstatistik eine Rechtsfrage, und die ist eindeutig geregelt. § 36 Absatz 5 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung erlaubt bei Reifen für winterliche Wetterverhältnisse ausdrücklich eine Freigabe unterhalb der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs. Zwei Bedingungen müssen dafür erfüllt sein: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Reifen muss im Blickfeld der Fahrerin oder des Fahrers angegeben sein — durch ein Schild oder einen Aufkleber für die Dauer der Verwendung oder durch eine Anzeige im Fahrzeug —, und diese Geschwindigkeit darf im Betrieb nicht überschritten werden. Nachlesen können Sie das im Wortlaut bei § 36 StVZO auf gesetze-im-internet.de.
Wichtig ist, woran diese Ausnahme hängt: an Absatz 4 derselben Vorschrift. Gemeint sind dort Reifen, deren Wintereigenschaften verbessert sind und die das Alpine-Symbol nach UNECE-Regelung Nr. 117 tragen — das Bergpiktogramm mit der Schneeflocke. Ein Ganzjahresreifen mit diesem Symbol fällt ebenfalls darunter, ein reiner Sommerreifen nicht. Für Sommerreifen gibt es diese Erleichterung schlicht nicht, dort gilt die Freigabe Ihres Fahrzeugs ohne Abstriche. Was das Schild leisten muss und wie es in der Praxis aussieht, haben wir in einem eigenen Beitrag am Gesetzestext aufgeschlüsselt.
Praktisch heißt das für diese Größe: Wer ein Fahrzeug mit mehr als 240 km/h Höchstgeschwindigkeit fährt und im Winter bei 16 Zoll bleiben möchte, kommt an dieser Ausnahme nicht vorbei. Sie ist hier nicht der Sonderfall, sondern für einen großen Teil der Fahrzeuge, die diese Größe tragen, der einzige gangbare Weg.
Der Ganzjahresreifen ist hier der einzige Weg nach oben
Bemerkenswert ist, dass das Ganzjahresregal dieser Größe die Lücke schließt, die das Winterregal offenlässt. Von den 61 Ganzjahresreifen erreichen 58 mindestens V, 32 tragen ein W — und einer sogar ein Y. Die Verteilung ähnelt damit eher dem Sommer- als dem Winterregal, obwohl es sich um Reifen mit Alpine-Symbol handelt, die die situative Winterreifenpflicht vollständig erfüllen.
Für Fahrzeuge mit hoher Freigabe, die in 16 Zoll bleiben wollen, ist das die einzige Möglichkeit, ohne Schild im Blickfeld durch den Winter zu kommen. Das ist ein sachliches Argument — aber kein Freibrief. Ein Ganzjahresreifen bleibt ein Kompromiss, der auf Schnee und Eis hinter einem guten Winterreifen zurückbleibt und im Sommer hinter einem guten Sommerreifen. Für wen sich dieser Kompromiss trägt und für wen nicht, haben wir anhand von zehn Wintern und zwei Prüforganisationstests ausführlich abgewogen. Wer einfach nur wissen will, was aktuell im Regal liegt, findet den Bestand unter Ganzjahresreifen für Pkw.
Was das EU-Etikett in dieser Größe hergibt
Jede der 311 Ausführungen trägt ein EU-Reifenlabel mit Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und Rollgeräusch. Getrennt nach Jahreszeiten sieht es so aus: Im Sommer tragen 67 von 155 Ausführungen die Nasshaftungsklasse A, also 43 Prozent — ein guter Wert, der Ihnen eine echte Auswahl lässt. Im Winter ist es eine einzige von 95, im Ganzjahresregal sind es zwei von 61. Umgekehrt tragen 15 der 95 Winterreifen bei der Nasshaftung ein D oder schlechter, darunter mehrere ausgesprochen teure Modelle mit ausgeprägter Eis-Auslegung.
Bevor Sie daraus die falschen Schlüsse ziehen: Diese Verteilung ist kein Qualitätsurteil über das Wintersegment, sondern eine Folge der genormten Messmethode. Warum die Bestklasse bei Winterreifen strukturell kaum vorkommt, haben wir über drei komplette Größen hinweg ausgezählt; was die unteren Klassen im Alltag bedeuten und warum solche Reifen in Vergleichstests fehlen, steht bei den Reifen mit Nasshaftung D und E.
Bei der Kraftstoffeffizienz ist das Bild noch schmaler: Über alle 311 Ausführungen tragen ganze zwei die Klasse A, beide Sommerreifen. Unter den 95 Winterreifen gibt es kein A und nur fünfmal ein B. Das Rollgeräusch fällt dagegen eng aus und taugt kaum zur Unterscheidung — die Werte reichen über das ganze Regal von 66 bis 73 Dezibel, der Median liegt bei 71. Grundbegriffe rund um Kennzeichnung und Etikett erklären wir im Reifen-Wiki.
Drei lieferbare Ausführungen — eine je Saison
Die folgenden drei Reifen sind Beispiele aus der oben beschriebenen Erhebung, keine Testsieger: Für 225/55 R16 liegt uns kein aktueller unabhängiger Vergleichstest in genau dieser Dimension vor. Ausgewählt wurden sie nach Geschwindigkeitsindex und EU-Label, alle Preise mit Stand 23. September 2026 und tagesaktuell auf der Produktseite.
- Sommer: Vredestein ULTRAC+ 225/55 R16 99Y — 104,32 Euro, EU-Label B/A/69. Die höchste Freigabe der Größe zusammen mit Nasshaftung A und Effizienz B, zu einem Preis oberhalb, aber in Sichtweite des Sommermedians.
- Winter: Continental WinterContact TS 870 P 225/55 R16 99V — 167,42 Euro, EU-Label B/B/71. Er steht für die Obergrenze, die es in dieser Größe im Winter gibt; günstiger wird V in diesem Regal, wer beim Etikett Abstriche macht.
- Ganzjahr: Pirelli Cinturato All Season SF 3 225/55 R16 99Y — 152,55 Euro, EU-Label B/A/72. Die einzige Ausführung dieser Größe außerhalb des Sommerregals mit Y-Freigabe.
Den vollständigen Bestand sehen Sie auf der Größenseite mit allen lieferbaren Reifen in 225/55 R16. Wer im Winter auf 17 Zoll ausweichen kann, findet das Gegenstück im Größenporträt zu 225/55 R17; wie sich das Nachbarformat mit zehn Millimetern weniger Breite verhält, steht im Größenporträt zu 215/55 R16. Den kompletten Winterbestand aller Dimensionen führen wir unter Winterreifen für Pkw.
Unterm Strich: In 225/55 R16 entscheidet der Buchstabe hinter der Tragfähigkeitszahl mehr über Ihre Auswahl als die Marke. Prüfen Sie vor der Suche, welche Freigabe Ihre Papiere verlangen — und planen Sie für den Winter entweder das Schild im Blickfeld oder den Umweg über den Ganzjahresreifen ein.
Häufige Fragen
Darf ich in 225/55 R16 einen Reifen mit 99 statt 95 montieren?
Ja. Die Zahl in Ihren Fahrzeugpapieren ist ein Mindestwert, und ein Reifen mit höherer Tragfähigkeit ist zulässig, solange alle übrigen Anforderungen erfüllt sind. Umgekehrt gilt das nicht: Verlangt Ihr Fahrzeug die 99, kommt die 95 nicht infrage. Da 234 der 311 Ausführungen ohnehin die 99 tragen, sehen Sie mit der höheren Zahl auch das deutlich größere Angebot.
Warum finde ich in dieser Größe keinen Winterreifen mit W-Freigabe?
Weil es ihn im gesamten 16-Zoll-Segment nicht gibt. In unserem lieferbaren Pkw-Winterbestand trägt keine einzige der 1.390 Ausführungen mit 16 Zoll Felgendurchmesser ein W oder Y; die Skala endet dort bei V. Erst ab 17 Zoll taucht W überhaupt auf, und erst ab 18 Zoll auch Y.
Muss ich den Aufkleber mit der Höchstgeschwindigkeit selbst anbringen?
Die Vorschrift verlangt, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Reifen im Blickfeld angegeben oder angezeigt wird, solange die Reifen am Fahrzeug sind — entweder durch Schild oder Aufkleber oder durch eine Anzeige im Fahrzeug. Verantwortlich dafür ist, wer das Fahrzeug führt; viele Werkstätten kleben den Hinweis beim Radwechsel direkt mit an.