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Reifenlabel & EU-Kennzeichnung – Ratgeber im Magazin

Nasshaftung A oder Effizienz A: Was Reifenhersteller beim Modellwechsel opfern

· 16 Min. Lesezeit · von Reifentiefpreis · Aktualisiert am 07.10.2026
Pkw-Reifen auf nasser Fahrbahn mit Wasserfächer (KI-generiert, OpenAI)
Pkw-Reifen auf nasser Fahrbahn mit Wasserfächer (KI-generiert, OpenAI)

Auf dem EU-Reifenlabel stehen zwei Buchstaben nebeneinander, die beide „A“ heißen können: links die Kraftstoffeffizienz, rechts die Nasshaftung. Wer einen neuen Reifen kauft, nimmt fast automatisch an, dass die nächste Modellgeneration bei beiden besser abschneidet als die vorherige. Wir haben das im europäischen Produktregister EPREL nachgezählt — für ganze Modellprogramme, nicht für einzelne Größen. Das Ergebnis ist unbequemer, als die Werbung vermuten lässt: In mehreren Fällen holt der Nachfolger die eine Bestklasse genau dann, wenn er die andere aufgibt.

Diesen Beitrag haben wir am 7. Oktober 2026 vollständig neu erhoben. Alle Zahlen unten stammen aus dieser Zählung, nicht mehr aus der ersten Auswertung vom September. Das war nicht nur Routine: Zwei unserer eigenen Aussagen haben die Neuzählung nicht überlebt, und eine davon betraf den Kern eines Beispiels. Was wir geändert haben und warum, steht offen weiter unten — denn ein Beitrag, der mit Registerzahlen argumentiert, muss auch zeigen, was passiert, wenn sich das Register bewegt.

Zwei Klassen, die selten zusammenkommen

Das EU-Reifenlabel geht auf die Verordnung (EU) 2020/740 zurück. Sie verpflichtet die Hersteller, jede Ausführung eines Reifens der Klassen C1, C2 und C3 vor dem Verkauf in einer europäischen Produktdatenbank einzutragen — mit Effizienzklasse, Nasshaftungsklasse, Geräuschwert und, bei Winter- und Ganzjahresreifen, der Angabe zur Schneetauglichkeit. Diese Datenbank heißt EPREL und ist für jeden frei zugänglich; der QR-Code auf dem Label führt genau dorthin.

Für eine Auswertung ist das ein Glücksfall. Ein Reifentest zeigt immer nur eine Handvoll ausgewählter Reifen in einer einzigen Größe. Das Register zeigt das gesamte Angebot — und man kann es auszählen, statt über Einzelfälle zu diskutieren.

Am 7. Oktober 2026 lagen im Register 248.287 Registrierungen der Klasse C1 — das ist die Klasse der Pkw-Reifen. Von diesen Einträgen tragen 27.898 die Nasshaftungsklasse A, also gut elf Prozent. Bei der Kraftstoffeffizienz ist die Bestklasse deutlich seltener: nur 5.003 Einträge erreichen Effizienz A, das sind zwei Prozent. Und beides zusammen, also ein Reifen mit Effizienz A und Nasshaftung A, kommt genau 1.808-mal vor. Das ist weniger als ein Prozent des gesamten Pkw-Angebots — grob jede 137. Registrierung.

Der Vergleich mit unserer ersten Zählung Anfang September ist dabei selbst aufschlussreich: Der Bestand ist in gut vier Wochen um 3.421 Registrierungen gewachsen, und die drei Bestklassen-Zahlen sind praktisch im Gleichschritt mitgewachsen. Die Anteile haben sich also kaum verschoben. Das Register wächst, aber es verschiebt seine Gewichte nicht über Nacht — weshalb die Aussagen dieses Beitrags belastbarer sind als eine Momentaufnahme.

Diese Zahlen sollte man richtig lesen, denn sie lassen sich in zwei Richtungen missverstehen. Die eine Fehldeutung wäre: „Doppel-A gibt es praktisch nicht.“ Das stimmt nicht — 1.808 Ausführungen sind eine ordentliche Auswahl, und wer gezielt sucht, findet sie. Die andere Fehldeutung wäre: „Die beiden Klassen schließen sich gegenseitig aus.“ Auch das stimmt nicht. Rechnet man nach, ist das Gegenteil der Fall: Unter allen Reifen mit Effizienz A haben 36 Prozent zusätzlich Nasshaftung A, während der Durchschnitt bei elf Prozent liegt. Wer die eine Bestklasse schafft, schafft die andere also überdurchschnittlich oft mit. Sehr gute Reifen sind meistens in beidem gut. Dieser Anteil ist zwischen September und Oktober übrigens auf den Prozentpunkt gleich geblieben.

Interessant wird es deshalb nicht im Gesamtbestand, sondern dort, wo ein Hersteller ein Modell durch sein Nachfolgemodell ersetzt. Genau dort taucht der Tausch auf.

Was eine Klasse im Alltag wert ist

Bevor die Zahlen kommen, lohnt die Einordnung, was ein Klassensprung überhaupt bedeutet — sonst klingt „eine Klasse schlechter“ beliebig. Der ADAC beziffert beides in seinem Ratgeber zum Reifenlabel konkret.

Bei der Nasshaftung geht es um Meter. Zwischen Klasse A und Klasse E liegen bei einer Vollbremsung aus 80 km/h auf durchschnittlich griffiger Fahrbahn laut ADAC bis zu 18 Meter Bremsweg. Das sind gut vier Fahrzeuglängen — und weil sich der Unterschied gleichmäßig über die Skala verteilt, kostet auch schon ein einzelner Klassensprung mehrere Meter. Das ist der Grund, warum Prüforganisationen die Nasshaftung als sicherheitsrelevanteste Labelangabe behandeln.

Bei der Effizienz geht es um Zehntelliter. Der ADAC rechnet gegenüber der Bestklasse A mit einem Mehrverbrauch von 0,1 l/100 km für Klasse B, 0,22 l für C, 0,36 l für D und 0,51 l für E. Der Sprung von C auf B, also der typische Fall bei einem Modellwechsel, sind demnach rund 0,12 l/100 km. Bei 15.000 Kilometern im Jahr summiert sich das auf etwa 18 Liter Kraftstoff — spürbar, aber keine andere Größenordnung.

Damit ist die Abwägung schon halb beantwortet: Wer viel bei Regen unterwegs ist, kauft die Nasshaftung; wer sehr viele Kilometer auf trockener Autobahn abspult, kann die Effizienz höher gewichten. Nur trifft diese Entscheidung im Zweifel nicht der Käufer, sondern der Hersteller — indem er festlegt, in welche Richtung er das nächste Modell auslegt.

Vier Ganzjahres-Generationen, drei Rollentausche

Am deutlichsten zeigt sich das bei Ganzjahresreifen, wo in den vergangenen zwei Jahren gleich mehrere Hersteller ihr Hauptmodell erneuert haben. Wir haben für jedes Paar das gesamte registrierte Programm ausgezählt — Vorgänger wie Nachfolger, jeweils inklusive der Varianten, die denselben Modellnamen tragen (etwa SUV-Ausführungen).

  • Goodyear Vector All Season 4 (87 Registrierungen): 44-mal Nasshaftung A, kein einziges Mal Effizienz A. Der Vorgänger Vector 4Seasons Gen-3 (274 Registrierungen, inklusive SUV) hat es genau umgekehrt: null Einträge mit Nasshaftung A, dafür 42 mit Effizienz A.
  • Michelin CrossClimate 3 (191 Registrierungen, inklusive der Sport-Variante): 63-mal Nasshaftung A, ein einziges Mal Effizienz A. Der Vorgänger CrossClimate 2 (252 Registrierungen, inklusive SUV): null Nasshaftung A, aber 21-mal Effizienz A. Dieser Fall hat allerdings einen Haken, der weiter unten eigens behandelt wird.
  • Vredestein Quatrac Pro 2 (44 Registrierungen): 40-mal Nasshaftung A und kein einziges Mal Effizienz A. Die Vorgängerfamilie Quatrac Pro, Pro+ und Pro EV bringt es auf 381 Registrierungen, davon null mit Nasshaftung A und lediglich zwei mit Effizienz A.
  • Continental AllSeasonContact 2 (246 Registrierungen) fällt aus der Reihe: Hier erreicht weder der Nachfolger noch der Vorgänger (191 Registrierungen) auch nur eine einzige Nasshaftung A. Bei der Effizienz geht der Anteil sogar leicht zurück, von 15 auf 10 Einträge.

Drei von vier Paaren zeigen also dasselbe Muster: Der Nachfolger führt die Nasshaftungsklasse A überhaupt erst ein — und verliert dabei die Effizienzklasse A vollständig. Der vierte Fall zeigt, dass es kein Automatismus ist: Continental hat beim AllSeasonContact 2 offenkundig eine andere Auslegung gewählt und bleibt in beiden Disziplinen im Mittelfeld.

Wichtig ist dabei die Einheit, in der wir zählen — und hier haben wir diesmal genauer hingesehen. Eine Registrierung ist keine Reifengröße, sondern ein Eintrag zu einer Ausführung samt Last- und Geschwindigkeitsindex, und dieselbe Ausführung darf mehrfach im Register stehen. Wie stark das die Zahlen aufbläht, unterscheidet sich von Modell zu Modell dramatisch: Beim Michelin CrossClimate 3 Sport stehen hinter 63 Registrierungen genau 63 verschiedene Ausführungen, beim Goodyear Vector All Season 4 hinter 87 Einträgen 85 Ausführungen — beim Continental EcoContact 7 hinter 219 Einträgen aber nur 119, beim SportContact 6 hinter 224 Einträgen nur 116. Ein Programm kann also fast doppelt so groß aussehen wie ein anderes, nur weil sein Hersteller mehr Mehrfacheinträge pflegt. Deshalb vergleichen wir in diesem Beitrag Anteile und Richtungen, nicht die nackte Größe zweier Programme gegeneinander. Wie sehr sich Labelwerte innerhalb eines einzigen Modells je nach Größe unterscheiden, haben wir in unserer Auswertung von 390 Ausführungen aus fünf Modellen gezeigt — deshalb hilft die Modellbetrachtung nur beim Verstehen, nicht beim Bestellen.

Dass das keine Theorie ist, sieht man am Goodyear direkt im Regal. Der Goodyear Vector All Season 4 in 205/55 R16 91V trägt B für Effizienz und B für Nasshaftung, der Goodyear Vector All Season 4 in 215/55 R18 99V dagegen B und A — gleicher Modellname, gleiche Generation, eine Klasse Unterschied beim Nassgriff. Beide Angaben decken sich auf den Buchstaben mit den Registereinträgen 2653022 und 2662439. Die 44 Nasshaftungs-A-Einträge sind also nicht gleichmäßig über das Programm verteilt, sondern hängen an bestimmten Größen.

Ein Hersteller, zwei Richtungen — im selben Jahr

Der überzeugendste Beleg dafür, dass hinter den Klassen eine Entscheidung steht und nicht das Können, kommt von Continental. Das Unternehmen hat gleichzeitig zwei Sommerreifen im Programm, die in entgegengesetzte Richtungen ausgelegt sind — und die Labelwerte lassen daran keinen Zweifel.

Der PremiumContact 7 ist der Komfort- und Sicherheitsreifen. Im Register stehen 74 Registrierungen, und alle 74 tragen Nasshaftung A — eine glatte Hundert-Prozent-Quote, die in unserer Auszählung sonst nur noch der Michelin CrossClimate 3 Sport erreicht. Effizienz A erreicht der Reifen dagegen kein einziges Mal; 19 Einträge liegen bei B, 55 bei C. Der Vorgänger PremiumContact 6 war weniger einseitig: 277 von 361 Einträgen mit Nasshaftung A (77 Prozent), dazu immerhin 27-mal Effizienz A. Der Nachfolger hat die Nasshaftung also auf hundert Prozent gezogen und die Effizienz-Bestklasse dafür ganz aufgegeben.

Der EcoContact 7 ist das genaue Spiegelbild. Von 219 Registrierungen erreichen 192 die Effizienzklasse A — 88 Prozent, ein Spitzenwert im gesamten Register. Nasshaftung A schafft er dagegen nur in 54 Fällen, also einem Viertel. Auch hier lohnt der Blick auf den Vorgänger: Beim EcoContact 6 lag der Effizienz-A-Anteil bei 76 Prozent und der Nasshaftungs-A-Anteil bei 35 Prozent. Continental hat den Effizienzreifen also noch effizienter gemacht und dabei beim Nassgriff etwas nachgelassen. Beide Anteile sind seit September unverändert geblieben, obwohl das Programm weiter gewachsen ist — der Hersteller registriert also im selben Verhältnis nach.

Im Regal ist dieser Unterschied unmittelbar sichtbar. Der Continental PremiumContact 7 in 205/55 R16 91H trägt die Labelwerte C für Effizienz und A für Nasshaftung, der Continental EcoContact 7 in 205/45 R18 90H genau andersherum A und B (Tagespreise vom 7. Oktober 2026: 78,96 € beziehungsweise 104,10 €). Beim Ganzjahresreifen zeigt der Michelin CrossClimate 3 Sport in 225/40 R18 92Y mit B und A dieselbe Handschrift wie die Registerdaten seines Modells. Wir haben alle drei Artikel einzeln gegen ihren Registereintrag geprüft — die Buchstaben und die Dezibelwerte stimmen in allen drei Fällen überein. Der Modellname allein sagt Ihnen also wenig; die Auslegung steht im Label, und das Label am Artikel stimmt.

Warum das kein Rückschritt ist — und wann es auch ohne Tausch geht

Hinter dem Tausch steckt ein bekannter technischer Zielkonflikt. Grob gesagt sorgt eine Gummimischung, die auf nasser Fahrbahn stark verzahnt und Energie in Grip umsetzt, gleichzeitig für mehr Walkarbeit und damit für mehr Rollwiderstand. Wer den Rollwiderstand senkt, verliert tendenziell Nassgriff — und umgekehrt. Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat diesen Konflikt entschärft, aufgehoben hat sie ihn nicht.

Dazu kommt ein zweiter, oft übersehener Punkt: Die Klassen werden nicht von einer unabhängigen Stelle vergeben. Der ADAC formuliert das in seinem Label-Ratgeber unmissverständlich — die Prüfungen führt die Reifenindustrie nach festgelegten Verfahren selbst durch, „der Hersteller klassifiziert somit seine Produkte selbst“. Der ADAC hält im selben Absatz fest, dass eine Überprüfung der Klassifizierungen durch unabhängige Institute vorgesehen ist. Das ist kein Vorwurf, sondern die Konstruktion des Systems. Es bedeutet aber, dass ein Hersteller beim Auslegen eines neuen Modells sehr genau weiß, welche Klassengrenze er wo erreicht — und dass die Wahl, welche Grenze er reißen lässt, eine bewusste ist.

In dieser Neuerhebung haben wir den Tausch erstmals direkt gemessen, statt ihn aus zwei getrennten Zahlen zu erschließen: Wir haben für jedes Programm gezählt, wie viele Einträge beide Bestklassen gleichzeitig tragen. Das Ergebnis ist eindeutig und in einem Punkt unbequem. Bei allen vier Ganzjahres-Paaren liegt die Doppel-A-Zahl auf null — auf beiden Seiten des Generationswechsels. Beim PremiumContact fällt sie von sieben Einträgen beim Vorgänger auf null beim Nachfolger. Und beim EcoContact, dem Effizienzspezialisten, sinkt sie von 173 auf 45 Einträge, anteilig von 27 auf 21 Prozent. In zwei von drei Continental-Paaren ist die Zahl der Reifen, die beides können, also gesunken — obwohl bei beiden Modellen jeweils eine Einzelklasse besser wurde. Genau das ist der Tausch, nur diesmal in einer einzigen Zahl.

Dass es auch ohne Tausch geht, zeigt derselbe Hersteller im Sportsegment — und hier wird die Doppel-A-Messung zum stärksten Argument des ganzen Beitrags. Der Continental SportContact 7 (266 Registrierungen) erreicht 227-mal Nasshaftung A und damit praktisch denselben Anteil wie sein Vorgänger SportContact 6 (186 von 224). Bei der Effizienz macht er dagegen einen großen Sprung: 36 Einträge mit Effizienz A gegenüber genau einem beim Vorgänger, und die schlechte Klasse D kommt nur noch 42-mal statt 128-mal vor. Entscheidend ist die Doppelzählung: 17 Einträge des SportContact 7 tragen Effizienz A und Nasshaftung A zugleich — beim SportContact 6 war es kein einziger. Das ist der einzige Generationswechsel in unserer Auszählung, bei dem die Doppel-A-Zahl von null nach oben geht. Er entkräftet die Erklärung „Das geht physikalisch nicht anders“ endgültig: Es geht, wenn ein Hersteller es zum Ziel macht. Nur bezahlt man es hier anders, nämlich im Preis und in der Größenauswahl — der Continental SportContact 7 in 225/40 R18 92Y liegt mit C und A bei 98,09 €, und die 36 Effizienz-A-Einträge verteilen sich auf andere Dimensionen als die gängigen Kompaktklassegrößen.

Bei Winterreifen stellt sich die Frage gar nicht

Ein Sonderfall verdient eine kurze Einordnung, weil er sonst zu Fehlschlüssen führt: Bei Winterreifen taucht die Nasshaftungsklasse A praktisch nicht auf, egal welche Generation man betrachtet. Der Continental WinterContact TS 870 hat unter 311 Registrierungen null Einträge mit Nasshaftung A und ebenfalls null mit Effizienz A. Beim Vorgänger TS 860 (274 Registrierungen) ist es genauso. Beide Zahlen sind seit unserer Septemberzählung auf den Eintrag genau unverändert — bei diesen beiden Programmen registriert Continental derzeit nichts nach.

Ein Fortschritt ist trotzdem messbar, nur eben eine Klasse tiefer: Beim TS 870 tragen 292 von 311 Einträgen (94 Prozent) Nasshaftung B, beim TS 860 waren es 143 von 274 (52 Prozent). Der Nachfolger hat also den Anteil der zweitbesten Klasse fast verdoppelt, ohne je die Bestklasse zu berühren. Wer bei Winterreifen nach dem A sucht, sucht am falschen Ende der Skala — die relevante Frage lautet dort, ob der Reifen B erreicht.

Der Grund liegt in der Gummimischung: Eine Mischung, die bei null Grad und darunter noch geschmeidig bleibt, verhält sich bei den Prüftemperaturen des Nasshaftungstests anders als eine Sommermischung. Das ist kein Mangel des einzelnen Modells, sondern eine Eigenschaft des gesamten Segments — man darf Winter- und Sommerreifen bei dieser Klasse also nicht direkt gegeneinander lesen. Wie selten das A im Winterregal wirklich ist, haben wir in einem eigenen Beitrag über die Nasshaftungsklassen im Winterreifen-Sortiment ausgezählt.

Was wir an diesem Beitrag korrigiert haben

Zwei Aussagen aus der ersten Fassung halten der Neuerhebung nicht stand. Wir lassen sie nicht stillschweigend verschwinden, weil beide etwas darüber verraten, wie man Registerzahlen lesen muss.

Erstens: Beim Michelin CrossClimate 3 steckt die Nasshaftung A vollständig in der Sport-Variante. Unsere Zählung fasst alle Einträge zusammen, deren Modellname mit „CrossClimate 3“ beginnt — das sind 191 Registrierungen, davon 128 für den regulären CrossClimate 3 und 63 für den CrossClimate 3 Sport. Die 63 Nasshaftungs-A-Einträge des Programms sind genau diese 63 Sport-Einträge: Der Sport erreicht die Bestklasse ausnahmslos, der reguläre CrossClimate 3 erreicht sie kein einziges Mal. Der einzige Effizienz-A-Eintrag liegt umgekehrt beim regulären Modell. Die Aussage „der Nachfolger führt die Nasshaftung A ein“ gilt für Michelin also nur für eine neue, sportlich ausgelegte Nebenlinie, nicht für das Hauptmodell. Der Satz, mit dem der Abschnitt oben beginnt, trifft damit weiter auf drei von vier Paaren zu — bei Michelin aber aus einem anderen Grund als gedacht. Daraus folgt eine Regel für jede Registerauswertung: Ein Modellname, der auf einen Wortbestandteil abgeglichen wird, kann mehrere Produktlinien einsammeln, und eine einzige Nebenlinie kann den gesamten Effekt tragen.

Zweitens: Der Vredestein Quatrac Pro 2 ist nicht mehr zu hundert Prozent Nasshaftung A. Im September trugen alle 38 damals registrierten Einträge die Bestklasse; wir hatten das als „ausnahmslos jede Ausführung“ beschrieben. Heute sind es 40 von 44. Die vier Abweichungen sind hochinteressant, weil sie kein Zufall sind: Sie laufen alle unter dem leicht abweichenden Namen „Quatrac Pro 2 \*“, betreffen nur zwei Ausführungen — 245/40 R19 98H und 255/40 R19 100H, jeweils doppelt registriert — und tragen durchgängig B für Effizienz, B für Nasshaftung und 70 dB. Bezogen auf die 42 unterschiedlichen Ausführungen des Programms sind es also 40 mit Bestklasse und zwei ohne. Dass der Hersteller sie unter einer abgewandelten Bezeichnung einträgt, spricht dafür, dass es sich um eine Sonderausführung handelt; gesichert ist das nicht, deshalb behaupten wir es nicht.

Diese zweite Korrektur ist genau der Fall, den dieser Beitrag in seinen eigenen häufigen Fragen vorhergesagt hat: Die Klasse eines registrierten Eintrags ändert sich nicht, aber das Programm drumherum wächst — und kann dabei eine runde Aussage kaputt machen. Wer mit „hundert Prozent“ oder „kein einziger“ argumentiert, muss damit rechnen, dass vier neue Einträge die Aussage kippen. Alle übrigen Kernzahlen dieses Beitrags haben die Neuerhebung dagegen bestätigt, mehrere davon auf den Eintrag genau.

Was Sie beim Kauf daraus machen

Aus den Zahlen folgen vier Punkte, die sich in wenigen Minuten umsetzen lassen:

  1. Halten Sie den Nachfolger nicht automatisch für den besseren Reifen. Er ist meistens anders ausgelegt, nicht durchgehend besser. Legen Sie die beiden Labelwerte nebeneinander, bevor Sie den Aufpreis zahlen — dass der Vorgänger dabei nicht einmal zwingend günstiger ist, haben wir in unserem Beitrag über die typischen Preisfallen beim Reifenkauf gezeigt.
  2. Entscheiden Sie zuerst, welche Klasse für Sie zählt. Kurzstrecke, Landstraße, viel Regen, Herbst und Winter: Nasshaftung. Sehr hohe Jahresfahrleistung auf trockener Autobahn oder ein Elektroauto, bei dem jeder Prozentpunkt Reichweite zählt: Effizienz.
  3. Prüfen Sie immer die konkrete Ausführung, nie das Modell. Die Klassen gelten pro Größe und pro Index — die beiden Goodyear-Beispiele oben unterscheiden sich im Nassgriff um eine ganze Klasse, bei identischem Modellnamen. Was für den Modellnamen gilt, muss für Ihre 205/55 R16 nicht gelten. Die Labelwerte stehen bei uns direkt an jedem Artikel; die Bedeutung der einzelnen Felder erklärt unsere Übersicht zum EU-Reifenlabel, ausführlicher unser Ratgeber zum Lesen der Labelwerte.
  4. Nutzen Sie das Label als Vorauswahl, nicht als Urteil. Es sagt nichts über Trockenbremsen, Aquaplaning, Handling, Verschleiß oder Laufleistung. Für diese Eigenschaften brauchen Sie einen unabhängigen Test.

Passende Reifen für Ihre Größe finden Sie in unserem Sortiment an Sommerreifen für PKW und Ganzjahresreifen für PKW; das vollständige Programm der beiden hier ausgezählten Continental-Gegenspieler steht unter PremiumContact 7 und EcoContact 7. Begriffe rund um Label, Kennzeichnung und Technik erklärt unser Reifen-Wiki.

Häufige Fragen

Woher stammen die Zahlen in diesem Beitrag?

Aus der öffentlichen EU-Produktdatenbank EPREL, abgefragt am 7. Oktober 2026. Gezählt wurden Registrierungen der Reifenklasse C1, also Pkw-Reifen, jeweils über den vollständigen Bestand eines Modellnamens. Als Vollständigkeitsprobe haben wir für jedes Programm die Klassen A bis G einzeln abgefragt und geprüft, dass ihre Summe die Gesamtzahl des Programms genau trifft; das war bei allen 17 ausgezählten Programmen der Fall. Da EPREL Modellnamen als Wortbestandteil abgleicht, enthalten die Programme auch Varianten desselben Namens; das ist oben jeweils vermerkt.

Kann ein Reifen beide Bestklassen gleichzeitig tragen?

Ja, das ist möglich, aber selten: 1.808 von 248.287 registrierten Pkw-Ausführungen tragen Effizienz A und Nasshaftung A zugleich. Wenn Ihnen beides gleich wichtig ist, lohnt sich die gezielte Suche — nur sollten Sie nicht erwarten, dass Ihre Wunschgröße dabei ist.

Ändert sich die Klasse eines Reifens über die Jahre?

Die Klasse einer registrierten Ausführung bleibt unverändert. Verändern kann sich das Angebot: Hersteller registrieren neue Ausführungen desselben Modells nach, und diese können andere Werte haben als die Ausführungen des Marktstarts. Genau das ist zwischen unseren beiden Zählungen beim Quatrac Pro 2 passiert. Ein Blick auf die Werte der konkret angebotenen Ausführung ist deshalb immer aktueller als die Erinnerung an eine Modellvorstellung.

Schlagwörter: EU-Reifenlabel Nasshaftung Kraftstoffeffizienz EPREL Modellwechsel

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