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Winterreifen – Ratgeber im Magazin

Vredestein Wintrac Pro+: der Winterreifen, den es erst ab 17 Zoll gibt

· 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 02.10.2026
Winterreifen mit Lamellenprofil auf silberner Alufelge in einer Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)
Winterreifen mit Lamellenprofil auf silberner Alufelge in einer Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)

Wer in diesen Wochen einen Winterreifen für ein großes, schweres oder kräftig motorisiertes Auto sucht, stößt im Regal auf einen Markennamen, zu dem in unserem Blog bisher kein einziger Beitrag steht: Vredestein. Dabei führen wir 263 lieferbare Winterreifen dieser Marke, und mehr als die Hälfte davon entfällt auf ein einziges Modell — den Wintrac Pro+. Gleich zwei unabhängige Prüforganisationen haben diesen Reifen in den vergangenen Tagen bewertet, AUTO BILD am 21. und der ADAC am 22. September 2026. Die beiden Urteile fallen bemerkenswert unterschiedlich aus. Dieser Beitrag ordnet den Reifen ein: wofür er gebaut wurde, welche Größen es gibt, was sein EU-Label zeigt, was die Prüfer gemessen haben — und für welches Auto er wirklich gedacht ist. Alle Bestands- und Preiszahlen stammen aus unserem eigenen Katalog mit Stand vom 23. September 2026.

Ein Winterreifen für schwere und schnelle Autos

Der Wintrac Pro+ ist kein Allerwelts-Winterreifen, sondern das Spitzenmodell der Vredestein-Winterlinie. Der Fachdienst Reifenpresse.de meldete seinen Marktstart im Juni 2024 mit zunächst 120 Größen für Felgendurchmesser von 17 bis 22 Zoll. Als Zielgruppe nennt der Hersteller ausdrücklich Ultra-High-Performance-Fahrzeuge, SUV und leistungsstarke Elektroautos der neuesten Generation.

Hinter dem Kürzel UHP steckt eine Reifenklasse, die für hohe Geschwindigkeiten, große Lasten und entsprechend kräftige Seitenführung ausgelegt ist. Solche Reifen haben in der Regel steifere Flanken und breitere Laufflächen als ein klassischer Touring-Winterreifen für die Kompaktklasse. Das bringt Stabilität bei zügiger Fahrt, kostet aber tendenziell Komfort und macht den Reifen in der Herstellung aufwendiger.

Zur Technik nennt Vredestein eine neu entwickelte Laufflächenmischung, die mehr Grip und Traktion sowie ein besseres Bremsverhalten bei Schnee, Schneeregen und Eis bringen soll; zugleich soll der Rollwiderstand sinken, was dem Kraftstoffverbrauch und bei Elektroautos der Reichweite zugutekommt. Das sind Herstellerangaben aus der Produktmitteilung, keine unabhängig geprüften Messwerte — wie die Prüforganisationen den Reifen einschätzen, steht weiter unten. Vredestein gehört seit 2009 zum indischen Konzern Apollo Tyres; deutschen Autofahrern ist die Marke vor allem über ihre Ganzjahresreifen ein Begriff, etwa über Vredesteins Ganzjahresreifen Quatrac Pro 2.

135 Ausführungen – und keine einzige unter 17 Zoll

In unserem Katalog stehen aktuell 135 lieferbare Ausführungen des Wintrac Pro+ in 124 verschiedenen Größen. Die Spanne reicht von 17 bis 22 Zoll — und genau dort endet sie auch nach unten. Es gibt diesen Reifen schlicht nicht für kleinere Felgen. Wer einen Kleinwagen mit 15-Zoll-Rädern fährt, kann ihn also gar nicht kaufen, ganz gleich wie gut er in Tests abschneidet.

Die Verteilung über die Zollgrößen zeigt, wo der Schwerpunkt liegt: 29 Ausführungen in 17 Zoll, 27 in 18 Zoll, 25 in 19 Zoll, 26 in 20 Zoll, 18 in 21 Zoll und 10 in 22 Zoll. Damit entfallen 79 der 135 Ausführungen und somit 58,5 Prozent auf 19 Zoll und größer. Auch die Einsortierung im Shop spricht diese Sprache: 70 Ausführungen stehen im Offroad-Regal, 65 im Pkw-Regal. Der Pro+ ist damit fast ebenso sehr ein SUV-Reifen wie ein Pkw-Reifen — passende Modelle finden Sie sowohl bei den Winterreifen für den Pkw als auch bei den Winterreifen fürs SUV.

Preislich bewegt sich das Programm zwischen 98,06 und 299,45 Euro je Reifen, der Median liegt bei 170,76 Euro. Den Einstieg bildet der Wintrac Pro+ 225/45 R17 91H, das obere Ende markiert eine 325/35 R22 für schwere SUV. Diese Spanne ist typisch für ein UHP-Programm: Nicht der Modellname bestimmt den Preis, sondern die Dimension. Zwischen der kleinsten und der größten Ausführung liegt gut das Dreifache — wer also einen Erfahrungsbericht zu diesem Reifen liest, sollte immer mitlesen, um welche Dimension es dabei ging. Ein 17-Zöller an einem Kombi und ein 22-Zöller an einem schweren SUV haben außer dem Namen und der Laufflächenmischung wenig gemeinsam: Sie tragen unterschiedliche Lasten, laufen mit unterschiedlichem Luftdruck und werden ganz anders bewegt.

Was das EU-Label über den Pro+ verrät

Das EU-Reifenlabel zeichnet über alle 135 Ausführungen ein klares Bild. Bei der Kraftstoffeffizienz dominiert die Klasse C mit 74 Ausführungen, gefolgt von D mit 54; die sparsame Klasse B erreichen nur vier Ausführungen, drei stehen bei E. Bei der Nasshaftung sieht es günstiger aus: 93 Ausführungen tragen die Klasse B, 42 die Klasse C. Die Bestklasse A vergibt das Label bei diesem Modell in keiner einzigen Größe.

Das ist allerdings kein Sonderfall dieses Reifens, sondern die Regel im Winterregal. Wie selten die Spitzenklasse dort überhaupt vorkommt, haben wir an anderer Stelle komplett ausgezählt — der Beitrag zeigt, wie selten die Bestklasse bei Winterreifen wirklich ist. Hinzu kommt ein Punkt, der beim Vergleich zweier Angebote oft übersehen wird: Ein Modellname steht nicht für eine Labelklasse. Warum dasselbe Modell je nach Größe andere Labelwerte trägt, haben wir an mehreren hundert Ausführungen nachgerechnet — beim Pro+ zeigt sich genau das, denn sowohl bei der Effizienz als auch bei der Nasshaftung streut er über mehrere Klassen.

Beim externen Rollgeräusch liegen die Werte zwischen 70 und 74 Dezibel, der Median beträgt 71 Dezibel. Die Geschwindigkeitsfreigaben verteilen sich auf 61 Ausführungen mit V (bis 240 km/h), 33 mit Y (bis 300 km/h), 24 mit W (bis 270 km/h) und 17 mit H (bis 210 km/h). Über die Wintereigenschaften sagen die Buchstaben des Labels übrigens nichts; dafür sind die Piktogramme am unteren Rand zuständig. Was es mit ihnen auf sich hat, erklären wir in einem eigenen Beitrag zu den beiden Wintersymbolen auf dem Label.

Zwei Testurteile aus zwei Tagen – und warum sie weit auseinanderliegen

Innerhalb von zwei Tagen ist der Wintrac Pro+ gleich zweimal unabhängig geprüft worden, mit sehr verschiedenen Ergebnissen. AUTO BILD ließ am 21. September 2026 in seinem Winterreifen-Qualifying 50 Reifen der Größe 245/45 R19 je einmal auf nasser Fahrbahn aus 80 km/h und einmal auf Schnee aus 50 km/h bremsen. Der Pro+ kam auf Schnee nach 28,9 Metern zum Stehen — das war der kürzeste Schneebremsweg des gesamten Feldes. Sein Nasswert von 38,0 Metern reichte in der Summe beider Messungen dennoch nur für Rang sechs, womit er sich für die Endrunde qualifizierte.

Einen Tag später veröffentlichte der ADAC seinen Winterreifentest in 225/50 R17. Dort landete der Wintrac Pro+ mit der Gesamtnote 3,1 und dem Urteil „befriedigend“ auf Platz zehn von 16 geprüften Reifen. Die Fahrsicherheit bewertete der Club mit 3,1, die Umweltbilanz mit 3,2. Testsieger wurde der Pirelli Cinturato Winter 3 mit der Note 2,2.

Dieser Abstand ist kein Widerspruch, sondern eine Frage des Maßstabs. Das AUTO-BILD-Qualifying ist eine reine Bremsvorrunde aus zwei Messungen; der ADAC benotet dagegen ein ganzes Bündel aus trockener, nasser und winterlicher Fahrbahn und rechnet zusätzlich Laufleistung, Reifenabrieb, Effizienz, Geräusch und Nachhaltigkeit in die Umweltbilanz ein. Wie stark solche Unterschiede das Ergebnis verschieben, haben wir für die großen deutschen Prüfer aufgeschlüsselt: Der Beitrag zeigt, wie stark die Gewichtung eines Testers das Ergebnis verschiebt. Hinzu kommt, dass beide Prüfer verschiedene Dimensionen gefahren sind — ein Testergebnis gilt zunächst für die geprüfte Größe. Bemerkenswert ist dabei, dass der ADAC mit 225/50 R17 das untere Ende des Pro+-Programms geprüft hat, während AUTO BILD mit 245/45 R19 eine Dimension aus dessen Kernbereich wählte.

Achten Sie beim Kauf auf das Pluszeichen

Eine Stolperfalle verdient besondere Aufmerksamkeit: Neben dem Wintrac Pro+ steht bei uns weiterhin der Wintrac Pro ohne Plus im Regal, mit 38 lieferbaren Ausführungen und ebenfalls in 17 bis 22 Zoll. Das ist die Vorgängergeneration, und die beiden Namen unterscheiden sich nur durch ein einziges Zeichen.

Praktisch wichtig wird das bei Testergebnissen. Der ADAC hat auch den alten Wintrac Pro geprüft, damals in 215/55 R17, und ihm 2024 die Gesamtnote 2,4 mit dem Urteil „gut“ gegeben — mit 1,7 auf winterlicher Fahrbahn als bester Einzelnote und je 2,5 auf trockener und nasser Fahrbahn. Diese Note gehört aber zum Vorgänger und nicht zum aktuellen Pro+. Wer im Netz auf eine Vredestein-Bewertung stößt, sollte deshalb immer zuerst prüfen, welche der beiden Generationen gemeint ist und in welcher Größe gemessen wurde. Wenn Sie bewusst zum Restbestand des Vorgängers greifen, ist das kein Fehler — Sie sollten nur wissen, dass Sie nicht die aktuelle Generation bekommen.

Welcher Vredestein zu welchem Auto passt

Der Pro+ ist nur eine von acht Winterlinien der Marke, und die Aufteilung folgt der Fahrzeugklasse. Für kleinere Autos führen wir 80 Vredestein-Winterreifen unterhalb von 17 Zoll — sie stammen sämtlich aus anderen Baureihen.

  • Snowtrac 5 — 13 Ausführungen von 14 bis 16 Zoll, ab 51,50 Euro: die Linie für Klein- und Kompaktwagen.
  • Wintrac — 42 Ausführungen von 15 bis 19 Zoll, ab 56,29 Euro: der breit aufgestellte Touring-Winterreifen für die Mittelklasse.
  • Wintrac Pro+ — 135 Ausführungen von 17 bis 22 Zoll, ab 98,06 Euro: das UHP- und SUV-Programm, um das es in diesem Beitrag geht.
  • Nordtrac 2 — 7 Ausführungen von 15 bis 18 Zoll, ab 77,10 Euro: ein Reifen nordischer Auslegung für Eis und tiefen Winter, wie er in Skandinavien üblich ist.
  • Comtrac 2 Winter+ — 23 Ausführungen von 14 bis 17 Zoll, ab 83,54 Euro: die Transporterlinie, zu finden bei den Transporter-Winterreifen.

Für deutsche Verhältnisse ist dabei vor allem eines wichtig: Ein nordisch ausgelegter Reifen wie der Nordtrac 2 ist kein automatisch besserer Winterreifen, sondern ein Spezialist für blankes Eis. Hierzulande zählen nasse, kalte Fahrbahn und Schneematsch häufiger. Begriffe rund um Reifenaufbau und Kennzeichnung schlagen Sie bei Bedarf im Reifen-Wiki nach.

Für wen sich der Wintrac Pro+ lohnt

Der Wintrac Pro+ ist ein Reifen für ein klar umrissenes Publikum: schwere Limousinen, SUV und leistungsstarke Elektroautos mit Rädern ab 17 Zoll, überwiegend ab 19 Zoll. Für dieses Segment bringt er ein breites Größenprogramm mit, liegt preislich meist unterhalb der großen Premiummarken und hat auf Schnee in der AUTO-BILD-Vorrunde die kürzeste Bremsung des gesamten Feldes hingelegt.

Gleichzeitig sollten Sie die Einschränkungen kennen. Der ADAC sieht ihn in der geprüften Dimension nur im hinteren Mittelfeld, die Nasshaftungsklasse A erreicht er in keiner Größe, und bei der Kraftstoffeffizienz liegt der Schwerpunkt auf C und D. Wer seine Winterkilometer überwiegend auf nasser Autobahn fährt, findet in derselben Preisklasse Alternativen mit besseren Nasswerten. Wer dagegen regelmäßig in Höhenlagen oder in schneesichere Regionen unterwegs ist, bekommt hier ein starkes Schneepaket.

Den Reifen in der vom ADAC geprüften Dimension führen wir als Wintrac Pro+ 225/50 R17 98H ab 105,13 Euro; eine Übersicht über das gesamte Angebot dieser Dimension bietet die Seite mit allen Winterreifen in 225/50 R17. Die von AUTO BILD geprüfte Größe gibt es bei uns als Wintrac Pro+ 245/45 R19 102W für 172,40 Euro. Wenn Sie noch grundsätzlich vor der Wahl stehen, hilft unsere allgemeine Kaufberatung für Winterreifen bei der Eingrenzung.

Häufige Fragen

Wie schlägt sich der Pro+ gegen den ADAC-Testsieger?

Im ADAC-Winterreifentest 2026 in 225/50 R17 erreichte der Wintrac Pro+ die Gesamtnote 3,1 und damit Platz zehn von 16. Der Testsieger Pirelli Cinturato Winter 3 kam auf 2,2. Der Abstand beträgt also knapp eine ganze Notenstufe.

Passt der Wintrac Pro+ auf einen Kompaktwagen?

Nur, wenn dieser mindestens 17-Zoll-Räder hat. Kleinere Dimensionen gibt es von diesem Modell nicht. Für Klein- und Kompaktwagen führt Vredestein stattdessen den Snowtrac 5 und den Wintrac.

Was unterscheidet den Pro+ von einem Touring-Winterreifen?

Er ist als UHP-Reifen für höhere Geschwindigkeiten und größere Lasten ausgelegt, mit entsprechend steiferem Aufbau. Das zeigt sich auch an den Freigaben: 33 seiner 135 Ausführungen sind bis 300 km/h zugelassen.

Schlagwörter: Vredestein Wintrac Pro+ Winterreifen SUV-Reifen UHP-Reifen Kaufberatung

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