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Branche & Markt – Ratgeber im Magazin

THE TIRE COLOGNE 2026: 14.600 Besucher, weniger Aussteller – und der Termin für 2028 steht

· 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 28.09.2026
Koelnmesse-Gelände in Köln (Foto: dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)
Koelnmesse-Gelände in Köln (Foto: dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Vom 9. bis 11. Juni 2026 traf sich die internationale Reifen- und Räderbranche zur THE TIRE COLOGNE in Köln. Die Leitmesse findet im Zwei-Jahres-Rhythmus statt, Veranstalter ist die Koelnmesse, ideeller Träger der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) mit Sitz in Bonn. Die Bilanz 2026 fällt zweigeteilt aus: bei den Besuchern stabil und international wie nie, bei den Ausstellern deutlich unter dem Vorjahresniveau. Inzwischen steht auch der nächste Termin fest — vom 30. Mai bis 1. Juni 2028 öffnet die Messe erneut. Wir haben die Zahlen, die Schwerpunkte und die kritischen Stimmen aus der Fachpresse zusammengetragen und ordnen ein, was davon beim Reifenkauf ankommt.

Die Bilanz 2026: 14.600 Besucher aus 110 Ländern — und drei Ausstellerzahlen

Die harten Kennzahlen stehen im Schlussbericht der Koelnmesse: knapp 400 Aussteller aus 33 Ländern und rund 14.600 Teilnehmende aus 110 Ländern, von denen zwei Drittel aus dem Ausland anreisten. Das offizielle Daten- und Faktenblatt zur Messe nennt für 2026 zusätzlich eine Bruttofläche von 44.800 Quadratmetern und rundet die Ausstellerzahl auf 400. Bespielt wurden die Hallen 6, 7 und 8 samt angrenzendem Außengelände; zugelassen waren ausschließlich Fachbesucher.

Drei Zahlen für ein Ausstellerfeld — das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Quelle. Die Fachpresse zählt genauer nach: Die Reifenpresse berichtet von knapp 390 Ausstellern aus 33 Ländern, der begleitende Kommentar der NEUEN REIFENZEITUNG nennt sogar die exakte Zahl 385. Gemeinsam ist allen Angaben der Vergleich nach hinten: 2024 waren es rund 430 Aussteller aus 35 Ländern. Das Minus von gut zehn Prozent war allerdings eingeplant — die ursprüngliche Prognose der Messeleitung hatte laut Kommentar bei nur 350 Ausstellern gelegen. Wer also von einem Einbruch spricht, rechnet gegen das Ergebnis von 2024; wer von einem Erfolg spricht, rechnet gegen die eigene Planung. Beides ist zulässig, und deshalb nennen wir hier beide Bezugsgrößen.

Auf der Besucherseite ist die Lage eindeutiger: 14.400 Besucher aus 109 Ländern im Jahr 2024, 14.600 aus 110 Ländern im Jahr 2026 — rund ein Prozent mehr, bei gleichzeitig kleinerem Ausstellerfeld. Für Koelnmesse-Geschäftsführer Gerald Böse ist die Messe damit „weit mehr als eine reine Produktschau“, nämlich der „wichtigste B2B-Treffpunkt“ und die „Zukunftsplattform der Reifen- und Räderbranche“. Sein Geschäftsführungskollege Oliver Frese wird im Schlussbericht konkreter: „Die Herausforderungen für die Branche werden komplexer und globaler. Umso wichtiger sind Plattformen, die Orientierung geben, Wissen bündeln und den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ermöglichen.“ Dass ein Landesminister die Messe besuchte — dazu unten mehr — passt in dieses Selbstbild.

Warum viele Weltmarken ohne eigenen Stand kamen

Die interessanteste Beobachtung der Ausgabe 2026 betrifft nicht die Zahl der Stände, sondern deren Besetzung. Ein großer Teil der etablierten Premiumhersteller war nicht mit einem eigenen Messestand vertreten — Continental bildete hier laut dem Kommentar der NEUEN REIFENZEITUNG die Ausnahme. Die Erklärung, die die Redaktion vor Ort einsammelte, ist wirtschaftlich nüchtern: Unter Kosten- und Budgetdruck wird der teure Messestand zum verzichtbaren Image-Posten, zumal die umsatzstärksten Schlüsselkunden ohnehin im ständigen Kontakt stehen.

Die Marken waren trotzdem präsent — nur über andere Stände. Großhändler und Handelsplattformen führen die bekannten Profile in ihren Programmen, und genau diese Bezugsquellen rücken in den Fokus eines Fachhandels, der zunehmend rein digital einkauft. Die Messe verändert damit ihren Charakter: Sie ist weniger Bühne der Hersteller und mehr Marktplatz der Distribution. Für Continental selbst ist die Teilnahme dennoch unstrittig — der Leiter Marketing Reifenersatzgeschäft Deutschland, Timo Röbbel, kündigte gegenüber der Fachzeitschrift die Teilnahme 2028 unumwunden an; die Messe sei eine der wichtigsten Plattformen für den Austausch mit dem Handel. Wie sehr sich der Hersteller derzeit neu aufstellt, lesen Sie in unserem Beitrag dazu, dass Continental künftig ein reiner Reifenhersteller ist.

Auffällig war zudem die Herkunft eines großen Ausstellerblocks. Der Kommentar hat im Ausstellerverzeichnis 81 Unternehmen gezählt, die die Ortsnamen Qingdao, Shandong oder Ningbo im Firmennamen tragen — rund ein Viertel des Feldes kommt damit aus China. Für den deutschen Reifenfachhandel sind das oft namenlose Anbieter, im Budgetsegment haben sie den Trend aber auf ihrer Seite. Dass dieser Trend seit 2026 einen Preisaufschlag trägt, haben wir separat nachgerechnet: Acht Wochen China-Zoll im Reifenregal zeigt, was von den Antidumpingzöllen tatsächlich beim Endpreis ankam.

Die Ausstellerbilanz der Fachpresse fällt entsprechend „durchwachsen“ aus: Manche Aussteller gaben sich abwartend oder kündigten für 2028 eine verkleinerte Standfläche an, einzelne Stimmen zweifelten sogar an einer Fortsetzung. Diese Sorge hat der Veranstalter mit dem fixierten Termin ausgeräumt.

Der „Walk of Services“: 147 Unternehmen, 44 Neuaussteller

Das prägende neue Format hieß WALK OF SERVICES. Erstmals fasste die Messe Aussteller quer über die drei Hallen unter einem gemeinsamen Label zusammen — alles, was mit Dienstleistung rund um Reifen und Räder zu tun hat. 147 teilnehmende Unternehmen, darunter 44 Neuaussteller, machten den Bereich laut Schlussbericht zu einem der dynamischsten Formate der Veranstaltung. Inhaltlich ging es um fünf Felder: Mitarbeitende und Fachkräftegewinnung, System- und Prozesslösungen, Reifenservice und Werkstatttechnik, Kfz-Services sowie Entsorgung und Nachhaltigkeit.

Der Zuschnitt traf offenbar einen Nerv. Die Koelnmesse verzeichnet für 2026 einen Anstieg der deutschen Besucherzahlen um fünf Prozent und eine stärkere Beteiligung aus Reifenfachhandel und Werkstattumfeld. Stephan Helm, Vorsitzender des BRV, ordnet das Format so ein: „Mit dem WALK OF SERVICES hat THE TIRE COLOGNE eine Plattform geschaffen, die konkrete Lösungen und neue Perspektiven für Handel und Werkstätten bietet.“ Die Fachpresse war zurückhaltender — für Besucher sei nicht immer ersichtlich gewesen, womit ein Aussteller den Aufkleber am Standeingang verdient habe. In der Richtung stimmt sie dem Veranstalter aber zu: Ein wachsender Anteil der Erträge im Reifenhandel stammt heute aus der Dienstleistung, nicht aus dem Produkt.

Praktisch wurde es an zwei Themenflächen, die zeigen, wie anspruchsvoll moderner Reifenservice geworden ist. Auf dem RDKS Truck in Halle 8 wurden an einer kompletten Zugkombination reale Servicefälle demonstriert: Sensorzuordnung über die OBD-Schnittstelle, zwillingsbereifte Achsen, die Spannungsversorgung von EBS- und RDKS-Einheiten am abgekoppelten Auflieger, typische Fehlerquellen. Wie die beiden Grundbauarten funktionieren, erklärt unser Ratgeber zum direkten und indirekten Reifendruckkontrollsystem; warum an Zugmaschine und Auflieger drei verschiedene Lkw-Profile laufen, steht in einem eigenen Beitrag. Parallel führten zwei Maschinenhersteller die „wdk-zertifizierte Montage für Nutzfahrzeugreifen“ vor — eine Weiterentwicklung des bereits etablierten Verfahrens für UHP- und Runflat-Reifen. Hintergrund: Niederquerschnittsreifen bis Serie 45, Breiten bis 495 Millimeter und die seit Juli 2024 geltende RDKS-Pflicht für neu zugelassene Nutzfahrzeuge machen die Demontage zu einem Prozess, der Fachwissen und passende Maschinen verlangt. Was eine gute Werkstatt beim Radwechsel leisten muss, haben wir in Reifen montieren lassen zusammengestellt; welche Betriebe der Handel selbst auszeichnet, zeigt unsere Auswertung zu Topreifenservice 2027.

Circular Economy: von der Runderneuerung bis zum Segment „Material & Production“

Der zweite große Schwerpunkt war die Kreislaufwirtschaft. In der Circular Economy Area, inhaltlich Teil des erweiterten INNOVATION LAB, bildete die Messe laut Themenwelt-Seite der Koelnmesse alle zentralen Phasen ab — von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis zu Runderneuerung und Recycling. Neu war die Segmenterweiterung „Material & Production“: Erstmals zeigte die Messe nachhaltige Rohstoffe, neue Materialtechnologien und ressourcenschonende Fertigungsverfahren als eigenen Themenblock.

Wie konkret das inzwischen ist, zeigte das Vortragsprogramm auf der TIRE STAGE in Halle 6: Recyclingverfahren wie Pyrolyse und Plasma, additive Fertigung im Felgendesign, KI und Robotik in der Produktion — und daneben regulatorische Themen, allen voran die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) und die Kreislaufwirtschaft. Was diese Verordnung für Naturkautschuk und damit für das Reifenregal bedeutet, haben wir anhand des eigenen Sortiments durchgerechnet: EUDR und Naturkautschuk nennt Stichtag und Größenordnung. Ein weiterer Programmpunkt widmete sich dem Altreifenrecycling in Nordrhein-Westfalen als Vorbild für Europa.

Die politische Flankierung übernahm Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, der die Messe besuchte und die Rolle zirkulärer Wertschöpfungsketten für eine zukunftsfähige Industrie betonte. Für Reifenkäufer ist die Kreislaufwirtschaft längst keine Messe-Rhetorik mehr: Runderneuerte Reifen sind im Nutzfahrzeugbereich Alltag — wie sie entstehen, erklärt unser Ratgeber zu runderneuerten Reifen, und beim Lkw beginnt mit dem Nachschneiden bei drei Millimetern Restprofil sogar noch davor ein zweites Leben. Was mit dem Altreifen danach passiert und wer die Entsorgung bezahlt, steht in Altreifen entsorgen. Welche Rohstoffe künftig in die Mischung wandern — von Löwenzahnkautschuk bis Reishülsenasche —, beschreibt Nachhaltige Reifen; wie weit ein Serienhersteller damit heute schon kommt, zeigt Continentals Konzeptreifen mit 43 Prozent recycelten Rohstoffen.

RFID: der digitale Zwilling des Reifens

Der technisch spannendste Bereich war ein kooperativ betriebener „RFID Ecosystem Space“. Die Koelnmesse beschreibt RFID auf der Seite zum RFID-Ökosystem als „derzeit einzige standardisierte und interoperable Technologie“, die einem Reifen über seinen gesamten Lebenszyklus eine eindeutige digitale Identität zuweisen kann — von der Herstellung über Logistik und Werkstattabläufe bis zu Runderneuerung, Altreifen und Recycling. Die Infrastruktur dahinter liefert die Branchenorganisation GDSO mit einem cloudbasierten Tyre Information Service.

Die Partnerliste zeigt, dass es nicht um Zukunftsmusik geht, sondern um Werkstattpraxis. Michelin war als Pionier der im Reifen integrierten RFID-Technik vertreten, ATEQ mit RFID-basierten RDKS-Lösungen für Werkstätten, Corghi/Nexion mit automatisierter Vorprüfung, Devel mit Lösungen für den Reifenwechsel, FASEP mit RFID-fähiger Auswuchttechnik, EDP mit Software für Lebenszyklusdaten und REGOM mit KI-gestützter Recyclingsortierung. In jeder Phase liefen Live-Demonstrationen bereits verfügbarer Lösungen.

Für Verbraucher ist daran vor allem eines interessant: Heute ist die einzige maschinenlesbare Identität am Reifen die eingeprägte DOT-Nummer — sie verrät Produktionswoche und -jahr, aber nichts über Historie oder Vorbesitz. Wie Sie sie ablesen, steht in unserem Ratgeber zu Reifenalter und DOT-Nummer. Ein durchgängiger digitaler Zwilling könnte künftig Angaben wie Erstmontage, Reparaturen oder Runderneuerungen dokumentieren. Bislang ist das ein Branchenprojekt ohne gesetzliche Pflicht und ohne Termin — wir berichten, wenn sich das ändert. Beim Kauf zählt deshalb weiter, was auf der Flanke und im EU-Label steht: Größe, Last- und Geschwindigkeitsindex, Nasshaftung, Effizienz. Ein Nachschlagewerk dazu finden Sie im Reifen-Wiki.

Was die Messetrends für Reifenkäufer bedeuten

Eine Fachmesse ist kein Verbraucherevent — der Zutritt bleibt Fachbesuchern vorbehalten. Die Schwerpunkte von 2026 wirken aber unmittelbar auf das, was Sie in zwei Jahren im Regal und in der Werkstatt finden.

Service wird zum Unterscheidungsmerkmal. Wenn Erträge im Handel aus der Dienstleistung kommen, investieren Betriebe in Technik und Ausbildung — sichtbar in besser montierten Rädern, korrekt angelernten RDKS-Sensoren und ehrlicher Beratung. Effizienz bleibt das Verkaufsargument der Hersteller: Rollwiderstandsarme Reifen sparen Kraftstoff oder Reichweite, was das EU-Label in der Klasse für Kraftstoffeffizienz ausweist — ein Beispiel dafür ist der Michelin E Primacy im Regal. Und der Einkauf verlagert sich weiter ins Netz, im Handel wie beim Endkunden; wie eine Bestellung bei uns abläuft, erklärt Reifen online bestellen.

Wenn Sie jetzt konkret suchen: Das Sortiment reicht von Reifen für PKW über Winterreifen und Nutzfahrzeugreifen bis zu Kompletträdern mit fertig montiertem Satz. Ein Beispiel aus dem Winterprogramm des einzigen Premiumherstellers mit eigenem Messestand: der Continental WinterContact TS 870 in 205/55 R16.

Häufige Fragen

Wann ist die nächste THE TIRE COLOGNE?

Die nächste Ausgabe läuft vom 30. Mai bis 1. Juni 2028 in Köln; der Turnus bleibt zweijährig. Den Termin hat die Koelnmesse bereits im Juni 2026 bestätigt.

Dürfen Privatbesucher auf die Reifenmesse?

Nein. Laut Daten- und Faktenblatt der Koelnmesse ist die Zutrittsberechtigung auf Fachbesucher beschränkt — also Reifenhandel, Werkstätten, Großhandel, Hersteller und Dienstleister.

Wer richtet die Messe aus?

Veranstalter ist die Koelnmesse GmbH, ideeller Träger der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e. V. (BRV) aus Bonn. Die Premiere fand 2018 statt.

Fazit

Die THE TIRE COLOGNE 2026 war eine Messe mit zwei Gesichtern: ein international stabiles Besucherfeld — 14.600 Teilnehmende aus 110 Ländern — und ein sichtbar geschrumpftes Ausstellerfeld, weil viele Weltmarken die Kosten eines eigenen Stands nicht mehr aufwenden. Inhaltlich hat sich die Messe dort neu erfunden, wo die Branche tatsächlich Geld verdient: bei Service, Werkstatttechnik, Kreislaufwirtschaft und digitaler Reifenidentität. Für Autofahrerinnen und Autofahrer sind das gute Vorzeichen — sie versprechen sauberere Montage, längere Produktlebensdauer und irgendwann mehr Transparenz über den eigenen Reifensatz. Der nächste Termin steht: 30. Mai bis 1. Juni 2028.

Quellen: THE TIRE COLOGNE — Schlussbericht 2026 und Daten & Fakten (Koelnmesse GmbH); Reifenpresse.de: „Stabile Besucherzahl bei der The Tire Cologne“ vom 12.06.2026 sowie Kommentar und Ausstellerbilanz der NEUEN REIFENZEITUNG vom 12. und 16.06.2026.

Titelbild: Koelnmesse-Gelände in Köln (Austragungsort der THE TIRE COLOGNE). Foto: dronepicr, Bilddatei auf Wikimedia Commons, Lizenz CC BY 2.0.

Schlagwörter: THE TIRE COLOGNE Reifenmesse Reifenbranche Reifenhandel Kreislaufwirtschaft Branchen-News

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