Fulda im Datencheck: ein Werk weniger, 299 Reifen, fünfmal befriedigend
Fulda ist die deutscheste aller Reifenmarken — und seit knapp einem Jahr die erste große deutsche Reifenmarke ohne deutsches Reifenwerk. Ende September 2025 lief im Stammwerk in Osthessen nach 125 Jahren der letzte Reifen vom Band. Was bleibt, ist der Name auf der Flanke, ein Sortiment aus dem Goodyear-Verbund und ein Ruf, der seit Jahrzehnten mit demselben Satz zusammengefasst wird: solide Technik zum Mittelklasse-Preis. Wir haben diesen Satz zum ersten Mal nachgerechnet — mit allen 299 Fulda-Ausführungen aus unserem eigenen Regal, den EU-Etiketten der gesamten Goodyear-Markenfamilie, jedem ADAC-Reifentest, in dem seit 2022 ein Fulda mitgefahren ist, und einem Produktrückruf, der mehr über die heutige Herkunft der Reifen verrät als jede Werbebroschüre.
Das Ergebnis vorweg, weil es der verbreiteten Beschreibung widerspricht: Auf dem Etikett steht Fulda nicht in der Mitte zwischen Premium und Budget, sondern am oberen Rand des Budgetsegments — dicht bei den Schwestermarken Sava und Debica, weit hinter Dunlop und Goodyear. An der Kasse ist der Abstand nach unten dabei fast vollständig verschwunden. Und es gibt genau zwei Zahlen, die dieses Bild brechen. Beide stehen weiter unten, beide stammen vom ADAC, und eine davon kostet die eigene Konzernmutter eine Zehntelnote.
Ein Jahr ohne Werk: was von der Traditionsmarke übrig ist
Die Marke wurde 1900 in Fulda gegründet, zunächst für technische Gummiwaren, bald darauf für Reifen. 1962 übernahm Goodyear das Unternehmen; seither ist Fulda eine Konzernmarke, die Entwicklung, Mischungen und Fertigung aus dem Verbund bezieht. Das änderte für Jahrzehnte wenig daran, dass Fulda-Reifen tatsächlich in Fulda gebaut wurden — bis im September 2025 nach 125 Jahren Schluss war. Rund 1.050 Menschen hatten an dem Standort gearbeitet, berichtet Reifenpresse.de über die letzten Tage vor der Schließung.
Das Gelände hat inzwischen einen neuen Eigentümer: Die Stadt Fulda hat im März 2026 ihr Vorkaufsrecht gezogen und kauft das rund 16,2 Hektar große Areal südöstlich der Innenstadt für etwa 16,2 Millionen Euro, um es als Gewerbe- und Produktionsfläche zu erhalten. Der Rückbau der Produktionsanlagen sollte nach Goodyear-Angaben Ende April 2026 abgeschlossen sein — auch das ist bei Reifenpresse.de dokumentiert.
Für Käufer heißt das zweierlei. Erstens: „Made in Germany“ trifft auf aktuelle Fulda-Reifen nicht mehr zu, und wo sie stattdessen entstehen, steht weiter unten. Zweitens: Die Marke selbst lebt weiter, wird weiter gepflegt und weiter verkauft — sie ist heute eine von mehreren Marken einer Konzernfamilie, deren Aufteilung wir im Ratgeber Reifenmarken: Wer gehört zu wem erklären. Wie viel von dieser Familie bei Fulda ankommt, lässt sich messen.
299 Ausführungen — und in fast 700 Größen gar kein Fulda
Unser offener Produktkatalog vom 21. September 2026 führt 299 lieferbare Fulda-Ausführungen: 146 Sommerreifen, 87 Winterreifen, 66 Ganzjahresreifen. 253 davon sind Pkw-Reifen, 29 Offroad-Größen, 17 Transporterreifen. Hinter diesen 299 Ausführungen stehen 17 Modellnamen, von denen aber nur zwölf echte, breit gepflegte Baureihen sind — der Rest sind Restgrößen auslaufender Generationen wie EcoControl, Kristall Montero 2 oder das schlichte SportControl ohne Ziffer. Die größten Linien sind der MultiControl mit 59 Ausführungen, der Kristall Control HP 2 mit 50 und der SportControl 2 mit 47.
Zum Vergleich, dasselbe Regal, dieselbe Stunde: Goodyear steht mit 1.777 Ausführungen darin, Dunlop mit 1.478, Cooper mit 659. Unterhalb von Fulda folgen die Schwestermarken Sava mit 234 und Debica mit 174. Fulda ist also, gemessen an der Auswahl, keineswegs die große Zweitmarke des Konzerns, sondern liegt im unteren Drittel der Familie — näher an Sava als an Dunlop.
Noch deutlicher wird das aus der Perspektive des Käufers, der eine bestimmte Größe braucht. In unserem Pkw-, Offroad- und Transporterregal stehen 787 verschiedene Reifengrößen. Einen Fulda gibt es in genau 123 davon. Rechnet man Größe und Jahreszeit zusammen — also etwa „205/55 R16 als Winterreifen“ —, kommt Fulda auf 232 von 1.819 Feldern, also 12,8 Prozent. In rund sieben von acht Fällen steht die Marke schlicht nicht zur Wahl. Wer Fulda fahren will, entscheidet das nicht allein: Das Sortiment entscheidet mit. Wo es Fulda gibt, liegt der Schwerpunkt klar unten — 52,8 Prozent aller Fulda-Ausführungen sind 16 Zoll oder kleiner, sieben Größen sind noch 13 Zoll, eine einzige ist 21 Zoll. Fulda ist eine Marke für Klein- und Kompaktwagen geblieben, auch wenn Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen der Marke bis 20 Zoll reichen.
Das EU-Etikett sortiert die Konzernfamilie — und Fulda steht unten
Das EU-Reifenlabel ist die einzige Kennzeichnung, die jeder Reifen tragen muss und die deshalb einen Vergleich über eine ganze Marke hinweg erlaubt. Wir haben für alle sechs Goodyear-Marken ausgezählt, welcher Anteil ihrer Ausführungen die Bestnote A bei der Nasshaftung trägt — die Größe, die im Zweifel über den Bremsweg entscheidet. Das Ergebnis ist eine fast lehrbuchhafte Rangfolge:
- Goodyear 34,2 Prozent (599 von 1.754 Ausführungen)
- Dunlop 30,7 Prozent (267 von 870)
- Cooper 24,2 Prozent (153 von 632)
- Fulda 13,4 Prozent (40 von 299)
- Sava 10,7 Prozent (25 von 234)
- Debica 9,2 Prozent (16 von 174)
Fulda liegt damit nicht in der Mitte zwischen Premium und Budget, wie die gängige Beschreibung der Marke nahelegt, sondern deutlich näher an Sava und Debica als an Dunlop. Der Abstand nach oben beträgt 17 Prozentpunkte, der Abstand nach unten 2,7. Über die Hälfte des Fulda-Regals — 51,8 Prozent — trägt bei der Nasshaftung ein C.
Ein Teil dieses Bildes ist saisonal erklärbar und gehört der Fairness halber dazu: Im Winter vergibt das Label praktisch nie ein A für Nasshaftung — weder bei Fulda noch bei Goodyear noch bei irgendeiner anderen Marke der Familie liegt dort auch nur eine einzige A-Ausführung. Der Unterschied entsteht im Sommer, und dort ist er groß: Goodyear kommt auf 60,6 Prozent A, Dunlop auf 54,0 Prozent, Fulda auf 27,4 Prozent, Sava auf 20,8 und Debica auf 19,8 Prozent. Im Sommer liegt Fulda also messbar über den beiden Budgetschwestern — aber nur bei gut einem Drittel des Goodyear-Werts. Was ein Etikett leisten kann und was nicht, ordnet unser Ratgeber Reifenlabel oder Reifentest ein.
Kein einziges A bei der Kraftstoffeffizienz
Bei der zweiten Labelnote fällt das Ergebnis noch klarer aus, und es ist kein Zufallsbefund: Unter allen 299 Fulda-Ausführungen gibt es kein einziges A bei der Kraftstoffeffizienz. Die Verteilung endet bei B (12,0 Prozent), das Gros liegt bei C (59,5 Prozent), dahinter folgen D (26,1) und E (2,3 Prozent). Dasselbe gilt für Sava und Debica — auch dort steht kein A im Regal. Goodyear dagegen führt 216 Ausführungen mit Effizienz A, Dunlop 16, Cooper 4.
Die Bestnote beim Rollwiderstand ist in dieser Konzernfamilie also praktisch der Hauptmarke vorbehalten. Beim dritten Labelwert, dem Rollgeräusch, verschwindet der Unterschied dagegen vollständig: Alle sechs Marken haben denselben Median von 71 Dezibel. Wer Fulda kauft, spart am Etikett bei Nässe und Rollwiderstand — beim Geräusch gibt es nichts zu sparen, weil es dort nichts zu unterscheiden gibt.
Interessant ist, wo die wenigen guten Werte im Fulda-Regal stecken, denn sie verteilen sich nicht gleichmäßig über das Sortiment: 35 der 40 Ausführungen mit Nasshaftung A gehören zu einer einzigen Baureihe, dem SportControl 2, die restlichen fünf zum EcoControl SUV. Kein einziger Winter- oder Ganzjahresreifen der Marke trägt ein A. Bei der Effizienz sieht es ähnlich konzentriert aus: Von den 36 Ausführungen mit B entfallen 15 auf den MultiControl und 9 auf den SportControl 2. Praktisch heißt das: Die beste Nässeleistung, die Fulda zu bieten hat, gibt es fast ausschließlich im sportlichen Sommerreifen — und damit ausgerechnet in den größeren Zollgrößen, nicht im Kleinwagensegment, das die Marke zahlenmäßig dominiert.
Nach unten ist der Preisabstand verschwunden
Der eigentliche Grund, eine Zweitmarke zu kaufen, ist der Preis. Also haben wir gerechnet: Für jedes Feld aus Größe und Jahreszeit, in dem sowohl Fulda als auch eine Schwestermarke steht, haben wir die jeweils günstigste Ausführung beider Marken verglichen. Das ergibt vier saubere Gegenüberstellungen:
- Goodyear ist in 186 von 203 gemeinsamen Feldern teurer als Fulda (91,6 Prozent), der Median des Aufpreises liegt bei 20,59 Euro je Reifen.
- Dunlop ist in 175 von 205 Feldern teurer (85,4 Prozent), Median 7,74 Euro.
- Sava ist in 109 von 158 Feldern teurer (69,0 Prozent), Median 5,38 Euro.
- Debica ist in 73 von 130 Feldern teurer (56,2 Prozent), Median 1,02 Euro.
Verschärft man die Bedingung auf Paare mit identischem Etikett — gleiche Nasshaftung, gleiche Effizienz, gleiches Geräusch —, bleibt das Muster erhalten: Goodyear kostet dann im Median 27,98 Euro mehr als der Fulda daneben, Dunlop 15,93 Euro, Sava 3,14 Euro und Debica 96 Cent.
Der Befund ist unbequem für die gängige Erzählung. Nach oben funktioniert das Sparargument, nach unten existiert es nicht mehr. Gegenüber der Hauptmarke ist Fulda tatsächlich die günstigere Wahl, gegenüber Sava und Debica ist der Unterschied an der Kasse aufgebraucht — während das Etikett bei Fulda im Sommer besser ausfällt. Anders gesagt: Fulda ist gegenüber den Budgetschwestern der bessere Kauf, weil es kaum mehr kostet, nicht weil es billiger wäre. Wer das Konzernmuster über alle sechs großen Hersteller sehen will, findet es in unserer Auswertung Was der Markenname beim Winterreifen kostet; die beiden Schwestermarken haben wir einzeln unter die Lupe genommen, Sava mit 88 Testurteilen und Debica im Datencheck.
Fünf ADAC-Tests, fünfmal befriedigend
Der ADAC führt derzeit 21 Reifentestseiten für Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen. In fünf davon ist ein Fulda mitgefahren — in keinem einzigen Ganzjahrestest. Die Gesamtnoten dieser fünf Auftritte lauten, chronologisch:
- 2022, Winterreifen 235/55 R17: Kristall Control SUV, 155 Euro, Note 3,1. Der ADAC nennt „Schwächen auf trockener und nasser Fahrbahn“.
- 2023, Sommerreifen 205/55 R16: EcoControl HP2, 90 Euro, Note 2,6 (Fahrsicherheit 2,8, Umweltbilanz 2,2).
- 2023, Winterreifen 205/60 R16: Kristall Control HP2, 108 Euro, Note 2,6 (Fahrsicherheit 2,9, Umweltbilanz 2,0).
- 2024, Sommerreifen 215/55 R17: SportControl 2, 138 Euro, Note 2,6 (Fahrsicherheit 2,6, Umweltbilanz 2,7).
- 2025, Winterreifen 225/40 R18: Kristall Control HP2, 143 Euro, Note 3,1 (Fahrsicherheit 3,4, Umweltbilanz 2,4).
Drei Jahre lang dieselbe Note, danach zweimal 3,1: Fulda war in vier Jahren nie „gut“ und nie schlechter als „befriedigend“. Das ist die ehrlichste Kurzfassung dieser Marke — keine Testsiege, aber auch keine Durchfaller, wie sie in denselben Testfeldern regelmäßig vorkommen. Und die Schwäche trägt fast immer denselben Namen: In der 205/60 R16 schreibt der ADAC, auf Nässe lasse der Fulda neben BFGoodrich, Kleber, Barum und Uniroyal „Federn“; in der 215/55 R17 heißt es, Debica, Dunlop und der Fulda SportControl 2 fielen bei der Fahrsicherheit „aufgrund etwas schwächerer Leistungen auf Nässe“ zurück; beim Kristall Control SUV nennt der Club trockene und nasse Fahrbahn zusammen. Das deckt sich exakt mit dem, was das Etikett über das ganze Sortiment sagt. Nachlesen lässt sich das beim ADAC-Winterreifentest in der Größe 205/60 R16, dessen Dimension wir in der Kaufberatung zu 205/60 R16 gesondert behandeln. Wie unterschiedlich Testhäuser gewichten, zeigt unser Vergleich Sechs Reifentester, vier Messreihen.
Die Ausnahme: 56.000 Kilometer und ein geschlagener Goodyear
Zwei Befunde stehen quer zu allem bisher Gesagten — und sie sind die eigentliche Stärke der Marke.
Der erste steht im Wintertest 205/60 R16. Dort sticht der Fulda laut ADAC „mit der höchsten Laufleistung im Test positiv heraus“: 56.000 Kilometer, umgerechnet knapp acht Wintersaisons bei 7.500 Winterkilometern im Jahr, bis die gesetzliche Mindestprofiltiefe erreicht ist. Der Bridgestone im selben Feld kam auf knapp fünf Saisons. Genau daher stammt die auffällig gute Umweltbilanznote von 2,0 — sie misst nicht nur den Rollwiderstand, sondern auch Verschleiß, Reifengewicht und Abrieb. Der Fulda ist beim Rollwiderstand schwach und beim Verbrauch nie ein A, aber er hält lange. Für Fahrer, die einen Reifensatz wirklich ausfahren, ist das die wichtigere Währung.
Der zweite Befund steht im Sommertest 215/55 R17 von 2024. Dort erreichte der Fulda SportControl 2 für 138 Euro die Note 2,6 — der Goodyear EfficientGrip Performance 2 der eigenen Konzernmutter kam für 167 Euro nur auf 2,7. Der Dunlop Sport Maxx RT2 landete mit 156 Euro ebenfalls bei 2,6, also gleichauf mit dem Fulda, bei 18 Euro Aufpreis. Die Preisleiter des Konzerns ist im Einzelfall nicht die Leistungsleiter. Erfreulich für Käufer: Alle fünf vom ADAC geprüften Fulda-Kombinationen aus Modell und Größe stehen heute noch bei uns im Regal — darunter der getestete Fulda SportControl 2 in 215/55 R17, der EcoControl HP 2 in 205/55 R16 und der Kristall Control HP 2 in 205/60 R16. Alle drei kosten heute deutlich weniger als die im jeweiligen Testjahr notierten Preise; ein Preisvergleich über mehrere Jahre ist das allerdings nicht, weil sich Marktpreise und Modellstände seither verändert haben. Die ganze Baureihe zeigt der Modell-Hub zum Kristall Control HP 2, einen Einzelcheck gibt es zum Kristall Montero 3 und zum Allwetterreifen MultiControl.
Der Rückruf vom Oktober 2025 und die Frage nach der Herkunft
Wo Fulda-Reifen nach der Werksschließung entstehen, beantwortet ausgerechnet ein Sicherheitsvorgang. Am 1. Oktober 2025 wurde über das EU-Schnellwarnsystem Safety Gate ein Rückruf für den Fulda EcoControl HP2 in 225/50 R18 99W XL veröffentlicht. Betroffen waren online verkaufte Reifen, die in der 45. Kalenderwoche 2024 gefertigt wurden und an der DOT-Nummer 1H378JAFR4524 auf der Seitenwand zu erkennen sind. Als Grund nannte die EU-Kommission eine Fertigungsabweichung, die zu einer Verformung der Lauffläche und damit zum Verlust der Fahrzeugkontrolle führen könne; in der Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes war dazu zunächst nichts hinterlegt. Gemeldet hat den Vorgang Reifenpresse.de.
Der bemerkenswerte Teil steckt im Nebensatz: Gefertigt wurden diese Reifen im slowenischen Reifenwerk der Konzernschwester Sava. Die deutsche Traditionsmarke und die slowenische Budgetmarke teilen sich also nicht nur ein Preisniveau, sondern in mindestens einem Fall auch ein Werk. Das ist keine Anklage — Mehrmarkenfertigung ist in der Branche die Regel, und ein einzelner Chargenrückruf sagt nichts über die Qualität einer ganzen Marke. Es ist aber die belastbare Antwort auf die Frage, was der Ortsname auf der Flanke heute noch bedeutet: den Markennamen, nicht den Produktionsort.
Praktisch heißt das für Sie: Die DOT-Nummer auf der Reifenflanke ist die einzige Stelle, an der Fertigungswoche und Werk ablesbar sind — die letzten vier Ziffern nennen Woche und Jahr. Wer einen EcoControl HP2 in dieser Dimension fährt, sollte dort einen Blick riskieren; bei allen anderen Größen und Fertigungswochen besteht kein Anlass zur Sorge. Wie stark dieselbe Konzerntechnik unter verschiedenen Namen wandert, haben wir am Beispiel Cooper und dem Dunlop-Zwilling beschrieben; die Konzernmutter selbst porträtiert der Beitrag Goodyear und das Luftschiff.
Für wen Fulda passt — und für wen nicht
Fulda passt, wenn Sie einen Klein- oder Kompaktwagen fahren, den Reifensatz wirklich bis an die Verschleißgrenze nutzen und eine kalkulierbare Marke wollen, die im Test verlässlich im befriedigenden Bereich landet und nie abstürzt. Wer von einer echten Budgetmarke kommt, macht mit Fulda in aller Regel ein gutes Geschäft: Das Sommer-Etikett ist besser als bei Sava und Debica, der Preisunterschied dorthin liegt bei einem bis fünf Euro je Reifen. Auch für Transporter gibt es mit dem Conveo Tour 2 eine tragfähige Option, ergänzt um weitere Transporterreifen im Shop.
Fulda passt nicht, wenn Nässe Ihr Hauptthema ist. Dieser Punkt zieht sich durch vier von fünf ADAC-Urteilen und durch das gesamte Etikettenbild: nur 13,4 Prozent A bei der Nasshaftung, über die Hälfte C. Wer viel bei Starkregen, mit hohem Tempo oder mit einem schweren Fahrzeug unterwegs ist, kauft den Sicherheitsabstand zur Spitze hier nicht mit. Ebenfalls kein Fulda-Argument ist der Verbrauch: Ohne ein einziges A bei der Kraftstoffeffizienz ist die Marke für Vielfahrer mit Spritfokus die falsche Wahl. Und schließlich entscheidet die Verfügbarkeit mit — in fast sieben von acht Größen-Saison-Feldern steht schlicht kein Fulda zur Wahl. Ob sich der Aufpreis zur Premiumklasse für Sie rechnet, klärt unsere Auswertung Premium oder Budget bei Sommerreifen; eine vergleichbare Marke mit ganz anderem Profil ist Semperit im Datencheck.
Häufige Fragen
Werden Fulda-Reifen noch in Deutschland gebaut?
Nein. Das Stammwerk in Fulda wurde im September 2025 nach 125 Jahren geschlossen, der Rückbau der Produktionsanlagen war nach Goodyear-Angaben Ende April 2026 abgeschlossen. Die Marke bleibt bestehen, die Fertigung verteilt sich auf andere Konzernwerke — im Fall eines 2025 zurückgerufenen EcoControl HP2 war es das Sava-Werk in Slowenien. Wo ein konkreter Reifen gebaut wurde, lässt sich nur über die DOT-Nummer auf der Flanke nachvollziehen.
Ist Fulda eine Mittelklasse- oder eine Budgetmarke?
Nach den Daten unseres Regals eher Budget mit Aufschlag. Bei der Nasshaftung erreichen 13,4 Prozent der Fulda-Ausführungen ein A — Sava kommt auf 10,7, Debica auf 9,2, Dunlop dagegen auf 30,7 und Goodyear auf 34,2 Prozent. Beim Preis liegt Fulda in gemeinsamen Größen im Median nur ein bis fünf Euro über Debica und Sava, aber rund acht Euro unter Dunlop und gut 20 Euro unter Goodyear. Fulda steht damit am oberen Rand des Budgetsegments, nicht in dessen Mitte oder darüber.
Welcher Fulda-Reifen ist der beste?
Gemessen an unabhängigen Urteilen der SportControl 2: Er erreichte im ADAC-Sommertest 2024 in 215/55 R17 die Note 2,6 und lag damit vor dem teureren Goodyear EfficientGrip Performance 2. Auf dieselbe Note kamen der EcoControl HP2 und der Kristall Control HP2 in ihren jeweiligen Testgrößen. Wer Laufleistung sucht, findet sie beim Kristall Control HP2, der im Wintertest 205/60 R16 mit 56.000 Kilometern die höchste prognostizierte Laufleistung des gesamten Feldes erzielte.