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Kaufberatung – Ratgeber im Magazin

Avon Reifen: Was die britische Traditionsmarke heute noch kann

· 16 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 04.10.2026
Hinterrad eines klassischen Motorrads auf der Landstraße (KI-generiert, OpenAI)
Hinterrad eines klassischen Motorrads auf der Landstraße (KI-generiert, OpenAI)

Wer im Reifenregal auf den Namen Avon stößt, hat es mit einer der ältesten Marken der Branche zu tun – und zugleich mit einer, die sich in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Aus dem britischen Vollsortimenter, der einst Pkw-, Transporter- und Motorradreifen baute, ist eine reine Motorradreifenmarke unter dem Dach von Goodyear geworden. Dieser Beitrag ordnet ein, wofür Avon heute steht, welche Reifen die Marke noch produziert, was aus den Avon-Pkw-Reifen geworden ist – und für wen sich der Griff zu dieser Marke lohnt. Wir haben dafür nicht nur die Fachpresse ausgewertet, sondern auch nachgezählt, was von Avon im EU-Produktregister und in unserem eigenen Regal tatsächlich übrig ist. Beide Zahlen sind aufschlussreicher als die Markengeschichte.

Vom britischen Traditionswerk zur Goodyear-Marke

Die Wurzeln von Avon liegen im englischen Melksham in der Grafschaft Wiltshire. Gegründet wurde Avon Tyres im Jahr 1904, der traditionelle Sitz der Marke liegt bis heute dort (Quelle: motorradundreisen.de). Bekannt wurde Avon vor allem für zwei Dinge: für Motorradreifen mit ausgeprägter Straßen- und Klassiker-Kompetenz und für ein breites Sortiment an Größen, die andere Hersteller längst aufgegeben hatten. Wer ein Motorrad aus den Sechzigern oder Siebzigern fährt, kennt Avon deshalb oft besser als so manche Volumenmarke.

Eigenständig blieb das Unternehmen allerdings nicht. Avon kam über einen Umweg zu seinem heutigen Eigentümer: Das Reifengeschäft der Briten gehörte zunächst zum US-Hersteller Cooper Tire & Rubber, und als Goodyear den Cooper-Konzern übernahm, wanderte Avon mit in den US-Konzern. Goodyear gliederte die Marke anschließend in seine europäische Motorradsparte ein, wo sie seither neben Dunlop steht. Wie dieses Konzerngeflecht aus Goodyear, Cooper und den zugehörigen Zweitmarken sortiert ist, haben wir im Beitrag zum Verhältnis von Cooper und Goodyear ausführlich auseinandergenommen.

Für Käufer ist dabei vor allem eine Konsequenz wichtig: Eine Marke, die zu einem Konzern gehört, wird nach Konzernlogik positioniert – und nicht nach ihrer Geschichte. Genau das ist bei Avon passiert. Während die Marke in den Neunzigern noch für ein komplettes Reifenprogramm stand, hat der Eigentümer sie inzwischen auf ein einziges Segment zugeschnitten. Das ist keine Abwertung der Produkte, aber es verändert, was Sie als Käufer von der Marke erwarten dürfen – vor allem bei der Frage, wie lange ein bestimmtes Modell lieferbar bleibt.

Die Entscheidung von 2026: Avon fährt nur noch Motorrad

Jahrelang war unklar, wie es mit dem Pkw-Geschäft der Marke weitergeht – die Fachpresse spricht von einem Schwebezustand von rund drei Jahren. Im Frühjahr 2023 hieß es zunächst, Avon werde künftig ausschließlich als Motorradreifenmarke geführt. Kurz darauf folgte ein Dementi: Man wolle weiterhin auch Pkw- und Transporterreifen unter dem Avon-Namen anbieten. Zweifel daran nährte eine erneut nur kurz danach aufgetauchte Goodyear-Veröffentlichung zur Markenpositionierung, in der der Name Avon gar nicht mehr auftauchte. Danach blieb das Thema öffentlich unbeantwortet.

Anfang 2026 wurde die Sache entschieden. Den Ausschlag gab eine Beobachtung an der Markenwebsite: Noch im Dezember 2025 bot die deutsche Avon-Seite unter dem Menüpunkt „Reifenwahl“ eine Auswahl nach vier Fahrzeugkategorien – Pkw & SUV, Van, Motorrad und Motorsport. Seit Jahresbeginn 2026 sind dort nur noch Avon-Motorradreifen auswählbar, und auch die Auftritte für andere Märkte zeigten in dieselbe Richtung. Auf Nachfrage der Fachzeitschrift NEUE REIFENZEITUNG hat Goodyear dann offiziell bestätigt, dass Avon außerhalb des Motorradsegments nicht weitergeführt wird; Pkw-, Van-, Transporter- und Lkw-Reifen mit dem Avon-Signet werden damit faktisch eingestellt (Quelle: reifenpresse.de vom 04.02.2026).

Dieser Befund hält bis heute. Ein Blick auf die offizielle deutsche Markenseite am 4. Oktober 2026 zeigt genau ein Fahrzeugsegment: „Motorrad“. Die Begriffe Pkw, SUV, Van oder Transporter kommen auf der Startseite nicht mehr vor; der Motorsport taucht nur noch als Rubrik „Motorsportgeschichten“ unter „Über uns“ auf, also als Markenhistorie, nicht als Produktlinie (Markenseite: avontyres.com). Die Entscheidung von Februar 2026 ist also keine Ankündigung geblieben, sondern im Auftritt der Marke vollzogen.

Was heißt das praktisch für Autofahrerinnen und Autofahrer? Zunächst einmal: Kein Grund zur Panik. Ein Reifen wird nicht schlechter, weil der Hersteller die Modellpflege einstellt. Wer heute noch Avon-Pkw-Reifen im Handel findet, kauft ein reguläres, in der EU zugelassenes Produkt mit gültiger Kennzeichnung und EU-Reifenlabel. Zwei Dinge sollte man aber im Hinterkopf behalten. Erstens die Nachkaufbarkeit: Wenn Sie in zwei Jahren einen einzelnen Reifen als Ersatz brauchen – etwa nach einem Schaden – kann es schwierig werden, exakt dasselbe Modell in derselben Größe noch zu bekommen. Auf einer Achse müssen aber immer zwei gleiche Reifen laufen. Zweitens das Reifenalter: Bei Auslaufware sitzt das Produktionsdatum tendenziell weiter zurück. Ein Blick auf die DOT-Nummer der Reifenflanke ist deshalb Pflicht, bevor Sie zugreifen.

Für Motorradfahrer ist die Nachricht dagegen eher eine gute: Die Marke wird nicht abgewickelt, sondern fokussiert. Goodyear investiert erkennbar weiter in das Programm – im Juli 2026 hat der Konzern das Avon-Sortiment um elf Ausführungen in den Baureihen Cobra Chrome, Spirit ST und 3D Supersport erweitert beziehungsweise aufgewertet. Sieben neue Spezifikationen entfielen dabei allein auf die Cobra Chrome, vier bestehende Ausführungen wurden durch höhere Trag- und Geschwindigkeitsindizes oder den Wechsel von Diagonal- auf Diagonalgürtelbauweise aufgewertet (Quelle: reifenpresse.de vom 10.07.2026). Was dahinter technisch steckt, haben wir in einem eigenen Beitrag zur Erweiterung des Avon-Programms im Juli 2026 aufgeschlüsselt.

Was das Avon-Motorradprogramm heute abdeckt

Das aktuelle Sortiment ist überschaubar, aber breit gefächert – Avon bespielt nicht die letzte Rennstrecken-Nische, sondern die großen Alltagssegmente. Die Markenseite stellt derzeit fünf Baureihen in den Vordergrund: Cobra Chrome, Spirit ST, 3D Supersport, Trekrider und Roadrider MkII. Die Marke selbst positioniert sie so: Der Spirit ST ist der Sport-Touring-Reifen mit neutralem Einlenkverhalten und guter Nassperformance, der 3D Ultra zielt auf ältere Naked Bikes und Sportmaschinen, die Cobra Chrome ist der laufleistungs- und stabilitätsorientierte Reifen für schwere Tourer und Cruiser, und der AM26 Roadrider ist auf Retro-Modelle und luftgekühlte Zweizylinder ausgelegt.

So gliedert sich das Programm nach Einsatzzweck:

  • Cruiser und Custom: Die Cobra Chrome ist die Paradereihe, angeboten von 15 bis 23 Zoll und in einigen Größen auch als Weißwandreifen – ein Detail, das im Custom-Bereich schwer zu finden ist.
  • Sport-Touring und Straße: Spirit ST und Roadrider MkII decken das klassische Landstraßen- und Tourenfahren ab, der Streetrunner zielt auf kleinere Hubräume und den Alltagsbetrieb.
  • Hypersport: 3D Supersport und 3D Ultra Supersport bilden Avons sportlichste Straßenlinien.
  • Adventure und Reise-Enduro: Trailrider und Trekrider bedienen das Segment der Reise-Enduros mit unterschiedlichem Straßen-Gelände-Verhältnis.
  • Klassiker: Die Baureihen um Roadrider und Safety Mileage sind auf Oldtimer und Youngtimer zugeschnitten – hier liegt bis heute eine der größten Stärken der Marke.
  • Roller: Der Viper Stryke ist der Roller- und Kleinkraftrad-Reifen im Programm.

Ein Punkt, der bei Motorradreifen regelmäßig für Verwirrung sorgt: Zu diesen Reifen gibt es kein EU-Reifenlabel. Die EU-Reifenkennzeichnung gilt für Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen, nicht für Zweiradreifen – wer also Kraftstoffeffizienz-, Nasshaftungs- und Geräuschklassen vergleichen möchte, findet sie bei Avon nur auf der Pkw-Seite. Die Hintergründe dazu stehen im Beitrag dazu, warum Motorradreifen kein EU-Reifenlabel tragen. Das ist auch der Grund, warum von unseren 227 Avon-Ausführungen nur 79 überhaupt Labelwerte mitbringen – dazu gleich mehr.

Wer wissen möchte, welche dieser Kategorien zum eigenen Fahrprofil passt, findet die Systematik dahinter in unserem ausführlichen Ratgeber zur Wahl des passenden Motorradreifens. Bei Klassikern kommt ein zweiter Punkt hinzu, den man nicht unterschätzen darf: Viele ältere Maschinen sind für Diagonalreifen ausgelegt, nicht für Radialreifen. Beide Bauarten lassen sich nicht beliebig mischen, und die zulässige Kombination ergibt sich aus den Fahrzeugpapieren beziehungsweise der Herstellerfreigabe. Genau in diesem Feld ist Avon traditionell stark, weil die Marke Diagonal- und Diagonalgürtelreifen in Größen anbietet, die sonst kaum noch produziert werden. Was hinter den Bauarten steckt und worauf es bei alten Maschinen sonst noch ankommt, lesen Sie im Beitrag zu Reifen für Oldtimer und Youngtimer.

Was vom Pkw-Geschäft im EU-Register übrig ist

Für Pkw-Reifen gibt es eine Instanz, die unabhängig von Werbeaussagen Auskunft gibt: die EU-Produktdatenbank EPREL. Jeder Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen, der in der EU verkauft wird, muss dort eingetragen sein. Wir haben die Datenbank am 4. Oktober 2026 vollständig nach der Marke Avon abgefragt – und das Ergebnis ist eine eigene kleine Geschichte.

Unter dem Markennamen Avon liefert das Register genau zehn Einträge. Dass diese zehn vollständig sind, ist belegbar: Die Datenbank nennt selbst eine Treffermenge von zehn, und unsere Vollernte brachte genau zehn distinkte Registernummern zurück. Die Schreibweise macht dabei keinen Unterschied – ob „Avon“, „AVON“ oder mit angehängtem Markensymbol abgefragt wird, das Ergebnis bleibt zehn. Alle zehn gehören zur Reifenklasse C1, also zu Pkw-Reifen, und zerfallen in zwei Gruppen:

  • Fünf Einträge der Reihe AX7 in fünf SUV- und Crossover-Größen von 215/60 R17 bis 255/55 R19. Markteintritt ist bei allen fünf der 30. Mai 2022, keiner trägt das Alpine-Symbol (3PMSF) – es handelt sich also nicht um Winterreifen.
  • Fünf Einträge der Reihe ALL SEASON in 175/65 R14, 195/60 R15, 205/55 R16 (in zwei Lastindizes) und 225/60 R17. Diese fünf tragen alle das Alpine-Symbol, und ihre Markteintrittsdaten liegen zwischen dem 18. Dezember 2024 und dem 9. April 2025.

Der zweite Punkt ist der bemerkenswerte. Die jüngsten Avon-Pkw-Einträge im EU-Register sind also keineswegs Jahre alt, sondern stammen aus dem Frühjahr 2025 – rund neun Monate, bevor Goodyear das Ende der Pkw-Linie bestätigte. Ein Hersteller, der eine Produktlinie eintragen lässt, plant sie normalerweise nicht gerade ein. Das passt zum beschriebenen Schwebezustand: Noch 2025 wurde investiert, 2026 fiel die Entscheidung.

Aufschlussreich ist auch, wer die Einträge angemeldet hat. Bei allen zehn steht nicht Avon selbst, sondern das Goodyear S.A. Innovation Center – und zwar in der Rolle des Bevollmächtigten („authorised representative“), nicht in der Rolle des Herstellers. Das ist typisch für Marken, die innerhalb eines Konzerns geführt werden, und es ist genau die Angabe, aus der sich ablesen lässt, wer eine Marke verantwortet. Wie man diese Rollenangabe liest und was sie über eine Marke verrät – und was nicht –, zeigt unser Beitrag dazu, wer hinter einer Reifenmarke steht. Wichtig ist die Abgrenzung: Aus der Rolle „Bevollmächtigter“ folgt nicht, in welchem Werk ein Reifen gefertigt wird. Sie sagt nur, welche Firma in der EU für die Pflichtangaben einsteht.

Beim Label selbst fällt das Ergebnis einheitlich aus: Alle zehn Einträge haben Nasshaftung C – kein A, kein B. Bei der Kraftstoffeffizienz stehen acht auf C, einer auf B und einer auf D. Das ist solide Mittelklasse und kein Spitzenwert; die Nasshaftungsklasse C bedeutet nicht „unsicher“, wohl aber, dass es in jeder gängigen Größe Reifen mit kürzerem Nassbremsweg gibt. Wie die Klassen zustande kommen und was sie belastbar aussagen, erklären wir im Überblick zum EU-Reifenlabel und seinen Klassen.

Wichtig für die eigene Recherche: Zehn Registertreffer heißen nicht, dass es nur zehn Avon-Pkw-Reifen gäbe. Die 79 label­pflichtigen Avon-Ausführungen in unserem Sortiment tragen 79 verschiedene EPREL-Nummern – und keine einzige davon ist unter den zehn, die die Markensuche ausgibt. Stichproben auf diese Nummern laufen teils in die Sperre „Lieferant nicht verifiziert“, teils liefern sie sehr wohl einen Avon-Datensatz (geprüft etwa für den WX7 Winter in 225/45 R17 und den AS12 All Season in 195/65 R16C). Die Markensuche des Registers ist also kein Vollständigkeitsnachweis. Wer einen konkreten Reifen prüfen will, nimmt die EPREL-Nummer von der Produktseite und ruft den Eintrag direkt auf – wie das geht, steht im Beitrag zum Prüfen eines EPREL-Eintrags.

Avon im Shop: 227 Ausführungen und wie sie sich verteilen

Unser Sortiment spiegelt die Übergangsphase genau wider. Mit Stand 4. Oktober 2026 führen wir 227 Avon-Ausführungen, und sie verteilen sich sehr ungleich: 148 Motorradreifen, 63 Pkw-Reifen, 12 Offroad-Reifen und 4 Transporterreifen. Die Marke ist bei uns also längst primär eine Motorradmarke – aber eben nicht ausschließlich.

Auf der Motorradseite dominiert eine einzige Baureihe: Auf die Cobra Chrome entfallen in ihren verschiedenen Ausführungen (unter anderem AV91, AV92, die Weißwandvarianten und eine Trike-Version) 89 der 148 Ausführungen – also rund 60 Prozent. Danach folgen die Spirit ST mit 26, der Viper Stryke AM63 mit 10, die 3D Supersport mit 7 und der Streetrunner AV83 mit 6 Ausführungen; die Klassiker- und Enduro-Reihen stehen jeweils nur mit einzelnen Größen im Regal. Drei Ausführungen tragen in der Bezeichnung ausdrücklich die Weißwand-Kennung. Ein typischer Vertreter für den Alltag ist der Avon Streetrunner AV83 100/90-17 55S für 66,79 Euro, dazu für den Rollerbereich der Avon Viper Stryke AM63 120/80-16 60P für 39,82 Euro (beide Preise Stand 4. Oktober 2026, unser Stand, kein Marktpreis). Weitere Modelle und Größen finden Sie in der Kategorie Motorradreifen für die Straße; wenn Sie die passenden Größen für Ihre Maschine nicht auswendig kennen, führt Sie unser Motorrad-Konfigurator über Hersteller, Modell und Baujahr zum freigegebenen Reifen.

Auf der Pkw-Seite lohnt ein genauer Blick, denn hier war unsere frühere Einschätzung zu eng gefasst. Das Avon-Pkw-Programm besteht bei uns nicht aus zwei oder drei Resten, sondern aus sechs Baureihen: dem Sommerreifen ZV7 mit 22 Ausführungen, dem Sommerreifen ZT7 mit 15, dem Ganzjahresreifen AS7 All Season mit 14, sowie den Winterreifen WX7 Winter mit 5, WV7 Snow mit 4 und WT7 Snow mit 3 Ausführungen. Dazu kommen 12 Ausführungen des Offroad-Reifens ZX7 und vier Transporterreifen (AV12 und AS12 All Season Van). Alle 63 Pkw-Ausführungen sind derzeit lieferbar – Auslaufware heißt hier also ausdrücklich nicht „fast nichts mehr da“.

Auch die Größenspanne ist größer als oft angenommen: Die Avon-Pkw-Reifen reichen bei uns von 14 bis 19 Zoll, mit dem Schwerpunkt nicht bei den Kleinwagen, sondern in der Mitte – 17 Zoll ist mit 14 Ausführungen die häufigste Größe, gefolgt von 15, 16 und 18 Zoll mit jeweils 13. Nur neun Ausführungen sind 14-zöllig. Preislich bewegt sich das Pkw- und Offroad-Programm zwischen 45,88 und 422,00 Euro bei einem Median von 77,60 Euro (Stand 4. Oktober 2026); die 422 Euro sind ein einzelner großer Offroad-Reifen und nicht repräsentativ. Günstigster Einstieg ist der WT7 Snow ab 45,88 Euro, der ZT7 beginnt bei 49,99 Euro – zum Beispiel als Avon ZT7 195/65 R15 91H für 54,04 Euro.

Die Kaufregel bleibt davon unberührt: Wenn Sie einen kompletten Satz kaufen, das Reifenalter prüfen und keinen jahrelangen Nachkauf einzelner Reifen planen, spricht sachlich wenig gegen diese Reifen. Wollen Sie dagegen ein Modell, das Sie in fünf Jahren noch nachbestellen können, greifen Sie besser zu einer Marke mit laufender Modellpflege. Für Preis-Leistungs-Käufer im Pkw-Bereich haben wir mit unserem Porträt der südkoreanischen Marke Kumho eine naheliegende Alternative ausführlich beschrieben.

Für wen Avon passt – und wann eine andere Marke besser ist

Ehrlich eingeordnet ergibt sich ein recht klares Bild. Avon passt gut, wenn Sie ein klassisches oder ein Custom-Motorrad fahren, wenn Sie eine ungewöhnliche, ältere Größe suchen, wenn Sie Weißwandreifen für einen Cruiser brauchen oder wenn Sie für ein Alltagsmotorrad einen bewährten Straßenreifen ohne Aufpreis für den großen Namen wollen. Die Kompetenz für Klassiker-Größen ist in der Branche selten geworden, und die Anbindung an die europäische Motorradsparte von Goodyear bringt der Marke Entwicklungsressourcen, die sie als Nischenanbieter allein kaum hätte. Dass im Juli 2026 elf Ausführungen nachgelegt wurden, ist das belastbarste Zeichen dafür, dass der Konzern das Motorradgeschäft der Marke nicht auslaufen lässt.

Zu einer anderen Marke greifen sollten Sie, wenn Sie eine sportliche Maschine an der Leistungsgrenze bewegen und die Rundenzeiten zählen – hier bieten die auf Sport spezialisierten Linien der großen Hersteller schlicht mehr Auswahl und mehr aktuelle Vergleichsdaten. Ebenso, wenn Sie beim Pkw-Reifen Wert auf unabhängige, aktuelle Testergebnisse legen: Avon-Pkw-Reifen tauchen in den großen deutschen Reifentests von ADAC, Stiftung Warentest oder der Autofachpresse nicht auf, was schlicht daran liegt, dass sie in den getesteten, gängigen Größen kaum eine Rolle spielen. Ein fehlendes Testergebnis ist kein schlechtes Testergebnis – aber es ist eben auch keine unabhängige Bestätigung, und mit dem bestätigten Auslaufen der Pkw-Linie wird sich daran nichts mehr ändern. Wer beim Nassgriff die Spitzenklasse will, findet sie bei Avon ebenfalls nicht: Im EU-Register steht bei allen zehn eingetragenen Avon-Pkw-Reifen die Nasshaftungsklasse C.

Tipp: Bei Auslaufmodellen lohnt sich der Blick auf die DOT-Nummer der Reifenflanke. Sie nennt Produktionswoche und -jahr. Reifen, die deutlich älter als drei Jahre sind, sollten Sie nur mit Preisnachlass und nach Prüfung von Lagerung und Zustand kaufen.

Fazit: solide Motorradmarke, auslaufende Pkw-Linie mit mehr Substanz als erwartet

Avon ist heute nicht mehr das, was der Name in den Neunzigern versprach – aber die Marke ist auch nicht das, wovor manche im Netz warnen. Was bleibt, ist ein fokussiertes Motorradreifen-Programm mit echter Stärke bei Cruisern, Klassikern und im Alltagssegment, das im Juli 2026 sichtbar weiter ausgebaut wurde und in unserem Regal mit 148 Ausführungen klar den Schwerpunkt bildet. Was geht, ist das Pkw-Geschäft – allerdings langsamer und breiter, als die Nachricht vom Februar 2026 vermuten lässt: sechs Baureihen, 63 lieferbare Ausführungen, Größen von 14 bis 19 Zoll. Diese Reifen sind Auslaufware und sollten nur als kompletter, ausreichend frischer Satz gekauft werden.

Wer diese Trennlinie kennt, kann bei Avon je nach Fahrzeug einen sehr vernünftigen Kauf machen. Für die Kaufentscheidung genügen im Grunde drei Fragen: Fahren Sie Motorrad oder Auto? Brauchen Sie eine gängige Größe oder eine seltene Klassiker-Dimension? Und wollen Sie den Reifen in einigen Jahren noch einzeln nachkaufen können? Motorrad, seltene Größe und ein kompletter Satz sprechen für Avon; Auto, gängige Größe und langfristige Nachkaufbarkeit sprechen dagegen. Wer aus diesen Gründen umsteigt, findet Alternativen in derselben Preisklasse unter den Sommerreifen für Pkw – und wer bei Avon bleibt, sollte den Satz kaufen, solange die auslaufenden Größen noch verfügbar sind.

Häufige Fragen

Gibt es Avon-Reifen für Autos noch zu kaufen?

Im Handel ja, solange der Vorrat reicht. Goodyear hat Anfang 2026 bestätigt, dass Avon außerhalb des Motorradsegments nicht weitergeführt wird; Pkw-, Van- und Lkw-Reifen der Marke laufen damit aus. In unserem Sortiment sind mit Stand 4. Oktober 2026 noch 63 Pkw-Ausführungen aus sechs Baureihen lieferbar. Kaufen Sie möglichst einen kompletten Satz und achten Sie auf ein junges Produktionsdatum.

Warum finde ich zu meinem Avon-Reifen keinen Eintrag im EU-Register?

Weil die Suche nach dem Markennamen nur einen Teil der Einträge ausgibt – bei Avon genau zehn. Reifen, deren Lieferant im Register nicht verifiziert ist, erscheinen dort nicht. Nehmen Sie deshalb die EPREL-Nummer von der Produktseite und rufen Sie den Eintrag direkt damit auf. Bei Motorradreifen finden Sie ohnehin keinen Eintrag: Für Zweiradreifen gilt die EU-Reifenkennzeichnung nicht.

Sind Avon-Reifen für klassische Maschinen geeignet?

Das ist eine der Kernstärken der Marke: Die Baureihen um Roadrider und Safety Mileage sind auf klassische Maschinen zugeschnitten und decken alte Diagonalgrößen ab. In unserem Regal stehen sie allerdings nur mit einzelnen Größen. Maßgeblich sind immer die Fahrzeugpapiere und die Freigabe des Motorradherstellers.

Quellen: reifenpresse.de vom 04.02.2026 (offizielle Bestätigung von Goodyear, Wegfall der Pkw-, Van- und Lkw-Reifen), motorradundreisen.de vom 09.02.2026 (Gründungsjahr 1904, Sitz Melksham, Markenpositionierung der Baureihen), reifenpresse.de vom 10.07.2026 (Portfolioerweiterung Cobra Chrome, Spirit ST, 3D Supersport), offizielle deutsche Avon-Markenseite (Fahrzeugsegmente, Stand 04.10.2026), EU-Produktdatenbank EPREL (zehn Avon-Einträge, Labelklassen, Markteintrittsdaten, Anmelderrolle; Abfrage 04.10.2026), eigene Sortimentsauswertung (227 Ausführungen, Preise, Größenverteilung; Stand 04.10.2026).

Schlagwörter: Avon Reifenmarken Motorradreifen Kaufberatung Goodyear

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