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Kompletträder – Ratgeber im Magazin

Wie viele Felgen für Ihr Auto freigegeben sind — und wie wenige ohne TÜV-Abnahme

· 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 01.10.2026
Regal mit verschiedenen Alufelgen, dahinter ein Pkw auf der Hebebühne (KI-generiert, OpenAI)
Regal mit verschiedenen Alufelgen, dahinter ein Pkw auf der Hebebühne (KI-generiert, OpenAI)

Wer neue Alufelgen sucht, fängt fast immer beim Aussehen an: Speichendesign, Farbe, Durchmesser. Die erste Entscheidung trifft aber nicht der Geschmack, sondern das Fahrzeug — denn eine Felge muss für genau dieses Auto freigegeben sein. Wie groß der Spielraum dabei tatsächlich ist, lässt sich beziffern. Wir haben unseren Komplettrad-Konfigurator am 25. September 2026 systematisch ausgezählt: erst die Breite der Fahrzeugdatenbank, dann für 30 verbreitete Modelle die Zahl der freigegebenen Felgendesigns — und schließlich die Frage, die am Ende über Ärger oder Ruhe entscheidet: Wie viele dieser Räder dürfen Sie ohne Abnahme fahren?

69 Marken, 1.841 Baureihen: was die Fahrzeugdatenbank abdeckt

Der Konfigurator führt 69 Fahrzeugmarken. Dahinter liegen nach unserer Auszählung 1.841 Baureihen — also Modellgenerationen mit eigenem Bauzeitraum, vom „Golf VIII (CD) — ab 11/2019“ bis hinunter zum „Golf I; Golf I Cabriolet (155) — ab 09/1979“. Die Datenbank endet also nicht beim aktuellen Modelljahr, sondern reicht rund 47 Jahre zurück. Das ist kein Selbstzweck: Der typische Käufer eines zweiten Radsatzes fährt kein Neufahrzeug, sondern ein Auto im mittleren Alter.

Am breitesten sind erwartungsgemäß die Volumenhersteller: Volkswagen mit 126 Baureihen, Mercedes-Benz mit 117, Opel mit 111 und BMW mit 101; dahinter folgen Audi, Renault, Ford und Toyota mit je 87 bis 88. Auffällig ist das andere Ende der Liste. Neben den bekannten Namen stehen dort BYD, NIO, Xpeng, Zeekr, Leapmotor, Omoda, Jaecoo, MG und Polestar — die Marken, die in den vergangenen Jahren neu nach Europa gekommen sind. Sie sind mit ein bis fünfzehn Baureihen noch schmal vertreten, aber sie sind vorhanden. Wer ein solches Fahrzeug fährt, findet es im Konfigurator wieder.

Der Einstieg läuft über Marke, Baureihe und Motorvariante. Schneller geht es über die Schlüsselnummern: Die HSN (vier Ziffern, Feld 2.1 der Zulassungsbescheinigung Teil I) und die TSN (Feld 2.2) führen direkt zur Fahrzeugansicht, ohne dass Sie sich durch Baureihen klicken müssen.

8 bis 66 Designs — die Auswahl schwankt um den Faktor acht

Für die Tiefenmessung haben wir 30 in Deutschland verbreitete Fahrzeuge ausgewählt — vom Kleinwagen bis zum großen SUV — und jeweils die erste Motorvariante der Baureihe aufgerufen. Gezählt wurden die Felgendesigns, also unterschiedliche Modelle, nicht deren Größenvarianten.

Das Ergebnis: Im Median stehen 49 Designs zur Wahl, die Spanne reicht von 8 bis 66. Vierzehn der dreißig Fahrzeuge kommen auf 50 Designs und mehr, acht bleiben unter 20. Ganz oben stehen Kompakt- und Mittelklassewagen mit großer Verbreitung: VW Golf VII 66, VW Golf VIII und Škoda Octavia je 65, Mercedes A-Klasse (W177) 63, VW T-Roc 62, VW Passat Variant 60, Audi A3 und A4 je 58, VW Tiguan 57, Ford Focus 55, Volvo XC60 54, Mercedes C-Klasse 53, Hyundai Tucson und Kia Sportage je 52. Am unteren Ende: Fiat 500 mit 8 Designs, BMW X3 (G45) mit 10, Peugeot 208 mit 13, Opel Corsa F und Renault Clio mit je 14, Toyota Yaris mit 15, Dacia Duster und Sandero mit je 17.

Dahinter steckt kein Qualitätsurteil, sondern schlichte Marktlogik: Für ein millionenfach gebautes Fahrzeug mit gängigem Lochkreis lohnt sich für die Felgenhersteller jedes zusätzliche Design, für eine Nische nicht. Fünf der dreißig Fahrzeuge haben einen 4-Loch-Kreis, die übrigen 25 einen 5-Loch-Kreis — und die Vierlocher sind fast durchweg die kleinen Modelle mit der schmaleren Auswahl.

Was eine solche Zahl konkret bedeutet, zeigt der Golf VIII. Seine 65 Designs stammen von fünf Felgenmarken und stehen in 162 Größenvarianten zur Verfügung, verteilt auf sechs Zollstufen von 15 bis 20 Zoll — am dichtesten besetzt sind 18 Zoll mit 48 und 19 Zoll mit 44 Varianten. Dazu passen 22 verschiedene Reifendimensionen, von 195/65 R15 bis 235/30 R20. Wer hier also nur „Winterrad für den Golf“ sucht, steht vor einer Auswahl, die sich ohne Filter kaum überblicken lässt — genau dafür bietet die Ansicht Zollfilter und Markenauswahl. Wie stark der gewählte Durchmesser am Ende auf den Preis des fertigen Winterrads durchschlägt, haben wir separat für jede Zollgröße nachgerechnet.

Ein zweiter Befund fällt beim Blick auf die Neuheiten auf. Ruft man für jede Marke die jüngste Baureihe auf, sinkt der Median auf nur noch 10 Designs; von 56 auswertbaren Fahrzeugen bleiben 28 sogar unter zehn. Modelle wie der Škoda PEAQ (ab 09/2026), der Honda Prelude (ab 01/2026) oder der Volvo EX60 (ab 06/2026) kommen auf vier. Die Felgenauswahl wächst also erst über die Jahre — sie ist bei einem drei bis sechs Jahre alten Fahrzeug am größten, nicht beim Neuwagen.

Der eigentliche Befund: nur vier von zehn Kombinationen sind abnahmefrei

Interessanter als die Zahl der Felgen ist eine zweite Angabe, die der Konfigurator zu jeder Rad-Reifen-Kombination führt: ob sie ohne Abnahme durch eine Prüforganisation gefahren werden darf. Über alle 30 Fahrzeuge zusammen haben wir 9.704 solcher Kombinationen ausgewertet. Abnahmefrei sind davon 3.850 — also 39,7 Prozent. Sechs von zehn Kombinationen verlangen dagegen den Weg zur Prüfstelle.

Und diese Quote schwankt zwischen den Fahrzeugen dramatisch. Am günstigsten liegt der BMW X3 (G45): alle 22 Kombinationen abnahmefrei, gefolgt vom Opel Astra L mit 86,7 Prozent, dem VW Tiguan mit 83,6 und dem Dacia Duster mit 75,0 Prozent. Am anderen Ende steht die Mercedes C-Klasse (W206) mit 7,8 Prozent — 24 von 306 Kombinationen; dahinter der Opel Corsa F mit 9,3, die Mercedes A-Klasse (W177) mit 9,4 und der Peugeot 208 mit 12,0 Prozent.

Der Vergleich zweier Zahlen desselben Fahrzeugs macht den Punkt am deutlichsten: Die A-Klasse hat mit 63 Designs eine der größten Auswahlen im ganzen Testfeld — und mit 58 von 616 abnahmefreien Kombinationen zugleich eine der kleinsten praktischen. Eine große Felgenauswahl bedeutet also nicht, dass viel davon ohne Papierkram fahrbar ist. Wer das nicht prüft, kauft unter Umständen einen Radsatz, der erst nach einem Termin bei TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS und einer Änderung der Fahrzeugpapiere legal auf die Straße darf. Der Konfigurator schreibt das deshalb zu jeder gewählten Dimension ausdrücklich dazu, bevor Sie etwas in den Warenkorb legen.

Was Paragraf 19 StVZO dazu sagt

Der rechtliche Hintergrund ist knapper, als viele vermuten. Nach § 19 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung erlischt die Betriebserlaubnis Ihres Fahrzeugs beim Anbau eines Teils dann nicht, wenn für dieses Teil eine Betriebserlaubnis oder Bauartgenehmigung erteilt wurde und deren Wirksamkeit nicht von einer Abnahme abhängig gemacht worden ist. Genau diese Fälle meldet der Konfigurator als abnahmefrei.

Ist die Wirksamkeit dagegen an eine Abnahme geknüpft, greift Nummer 3: Die Abnahme muss „unverzüglich“ durchgeführt und bestätigt werden. Und Absatz 4 verpflichtet den Fahrer, den entsprechenden Nachweis mitzuführen und auf Verlangen vorzulegen — es sei denn, die Zulassungsbescheinigung Teil I enthält bereits einen passenden Eintrag. Ebenso wichtig ist der Satz am Ende von Absatz 3: Werden die in der Genehmigung aufgeführten Einschränkungen oder Einbauanweisungen nicht eingehalten, erlischt die Betriebserlaubnis. Eine abnahmefreie Felge ist also nur so lange unproblematisch, wie ihre Auflagen eingehalten werden — etwa zur zulässigen Reifengröße oder zu notwendigen Arbeiten an den Radhäusern. Den vollständigen Wortlaut können Sie beim Bundesamt für Justiz nachlesen: Paragraf 19 StVZO im Volltext.

Praxistipp: Bewahren Sie das Gutachten oder die ABE Ihrer Felgen im Fahrzeug auf, auch wenn die Kombination abnahmefrei ist. Bei einer Kontrolle ist ein Blatt Papier die schnellste Auskunft.

Die Motorvariante entscheidet mit — besonders beim Allrad

Ein Detail, das im Konfigurator leicht übersehen wird: Nach der Baureihe müssen Sie noch die Motorvariante wählen. Das ist kein Formalismus. Die Freigabe hängt an Achslast und Bremsanlage, und die unterscheiden sich innerhalb derselben Baureihe.

Beim Dacia Duster (DJF, ab 05/2024) haben wir vier Varianten nebeneinander abgefragt: Der 1.0 und der 1.2 Eco-G kommen auf je 17 Designs, der 1.2 Hybrid 4x4 auf 13 — und der 1.2 4x4 nur noch auf 12. Dasselbe Muster beim Škoda Octavia Scout: 65 Designs für den 1.5, aber 60 für den 2.0 AWD. Und beim Audi A3 Allstreet: 55 Designs für den 35 TFSI, 49 für den 2.0 quattro. Der Allradantrieb kostet also regelmäßig Auswahl.

Eine Naturkonstante ist das allerdings nicht. Beim Toyota Yaris Cross liegt ausgerechnet die Hybrid-Allradvariante mit 41 Designs um eines über den zweiradgetriebenen Versionen. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die Faustregel, sondern auf die Auswahl im Konfigurator — und wählen Sie dort wirklich Ihre Motorisierung, nicht die erstbeste der Liste.

So finden Sie die Felgen für Ihr Fahrzeug

  1. Fahrzeug bestimmen: Marke, Baureihe und Motorvariante wählen — oder HSN und TSN aus den Feldern 2.1 und 2.2 Ihrer Zulassungsbescheinigung eingeben.
  2. Design und Größe wählen: Die Ansicht zeigt jede Felge am Fahrzeugbild, mit Zollfilter und simulierter Tieferlegung. Die angezeigten Preise stammen aus unserem eigenen Sortiment; Felgen ohne eigenen Katalogeintrag bleiben „auf Anfrage“ — beim Golf VIII betraf das 15 von 162 Größenvarianten.
  3. Abnahmehinweis lesen: Zu jeder Dimension steht dort, ob die Kombination ohne Abnahme gefahren werden darf. Diesen Satz sollten Sie vor dem Kauf zur Kenntnis nehmen, nicht danach.
  4. Reifen auswählen: Der Konfigurator listet die lieferbaren Reifen zur gewählten Dimension samt EU-Label. Für die Wintersaison etwa in 205/55 R16 den Continental WinterContact TS 870 205/55 R16 91H oder den Dunlop Winter Sport 5 205/55 R16 91H, in 225/45 R17 den Hankook W462 Winter i*cept RS3 225/45 R17 94V.
  5. Zubehör mitbestellen: Passende Radschrauben kosten im Konfigurator 1,56 Euro je Stück, RDKS-Sensoren 45 Euro je Stück (Stand 25.09.2026). Ob Sie für den zweiten Satz eigene Sensoren brauchen, hängt allein von der Bauart ab — das haben wir im Beitrag zu RDKS-Sensoren beim Räderwechsel auseinandergenommen.

Fazit: Die Felgenauswahl für ein Auto ist größer, als viele denken — im Median 49 Designs —, aber sie ist ungleich verteilt und sagt für sich genommen wenig aus. Entscheidend sind zwei Zahlen: wie viele Designs Ihre konkrete Motorvariante freigibt und wie viele Kombinationen davon ohne Abnahme fahrbar sind. Beides zeigt der Konfigurator, bevor Sie bestellen. Wer lieber ohne Auswahlstress zum Winterrad kommt, findet im Beitrag zum Stahlrad-Sortiment je Fahrzeug die genaue Gegenbewegung — dort trifft meist das Auto die Entscheidung, nicht der Käufer. Alles Weitere finden Sie bei den Alufelgen und den Winterreifen für Pkw.

Häufige Fragen

Darf ich Felgen montieren, die für mein Auto nicht gelistet sind?

Nur, wenn eine gültige Genehmigung Ihr Fahrzeug einschließt. Fehlt sie, erlischt beim Anbau die Betriebserlaubnis. Eine Felge, die der Konfigurator für Ihre Motorvariante nicht führt, ist für dieses Fahrzeug in aller Regel schlicht nicht freigegeben.

Was kostet die Abnahme einer nicht abnahmefreien Kombination?

Das hängt von Prüforganisation und Region ab und wird individuell berechnet; verbindliche Auskunft gibt die Prüfstelle vor Ort. Hinzu kommt in der Regel die anschließende Änderung der Fahrzeugpapiere bei der Zulassungsstelle. Rechnen Sie diesen Aufwand mit ein, wenn Sie Angebote vergleichen.

Kann ich vorhandene Reifen auf neue Felgen ziehen lassen?

Technisch ja, sofern Dimension und Freigabe zusammenpassen. Ob sich das gegenüber einem fertigen Komplettrad rechnet und worauf dabei zu achten ist, erklärt der Beitrag zum Ummontieren von Reifen auf andere Felgen.

Schlagwörter: Alufelgen Kompletträder Konfigurator Felgenfreigabe ABE Radgutachten

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