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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Continental ContiGo!: der Reifen zwischen Moped und leichtem Motorrad

· 18 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 12.10.2026
Vorderrad eines leichten Motorrads mit Speichenfelge auf sonniger Landstraße — KI-generiert (OpenAI)
Vorderrad eines leichten Motorrads mit Speichenfelge auf sonniger Landstraße — KI-generiert (OpenAI)

Es gibt Reifen, die lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Der Continental ContiGo! ist so einer: Continental führt ihn gleichzeitig als Reifen für Mopeds und als Allround-Reifen für leichte Motorräder — und genau das macht ihn für viele Fahrerinnen und Fahrer interessant, beim Kauf aber erklärungsbedürftig. Hinter demselben Namen stecken zwei sehr unterschiedliche Welten: winzige Zollgrößen für 50er auf der einen Seite, ausgewachsene Motorradgrößen auf der anderen. Wir haben für diese Fassung nicht nur unser eigenes Sortiment neu ausgewertet, sondern auch Continentals offizielles Lieferprogramm 2026 Seite für Seite mit unserem Bestand abgeglichen. Das Ergebnis ist eindeutiger, als wir erwartet hatten — und es beantwortet die häufigste Frage zu diesem Reifen gleich mit. Alle Angaben zu unserem Sortiment: Stand 12. Oktober 2026.

Was der ContiGo! ist – und was Continental über ihn sagt

Continental beschreibt den ContiGo! auf der offiziellen Produktseite knapp als „Diagonalreifen für den Allround-Einsatz“. Das ist die wichtigste technische Information überhaupt, denn sie ordnet den Reifen sofort ein: Ein Diagonalreifen ist anders aufgebaut als ein moderner Radialreifen. Die Lagen der Karkasse verlaufen schräg und überkreuzen sich, statt direkt von Wulst zu Wulst zu laufen. Das ergibt eine weichere, in sich stabilere Konstruktion, die gutmütig reagiert und mit den vergleichsweise schmalen Felgen und hohen Flanken älterer und leichter Maschinen harmoniert.

Was der Hersteller verspricht: Continental nennt auf der Produktseite vier Punkte — „Perfekter Grip unter allen Bedingungen, auch bei Nässe und Kälte“, „Ausgezeichnete Laufleistung durch modernste Mischungstechnologie“, ein „kraftrichtungsorientiertes Profil mit sehr guter Wasseraufnahme und -verdrängung sowie optimalem Abriebbild“ und eine „optimierte Karkasskonstruktion für gutes Handling und hohe Stabilität“.

Jetzt kommt der Punkt, der den ganzen Reifen erklärt — und den man auf der Produktseite nicht sieht. Im Lieferprogramm 2026 für Motorrad- und Rollerreifen (PDF) steht der ContiGo! nämlich zweimal, mit zwei eigenen Datenblättern: einmal als „ContiGO! (Allround)“ auf Seite 42 und einmal als „ContiGO! (Moped)“ auf Seite 51. Und die beiden Datenblätter sagen nicht dasselbe. Die Moped-Variante trägt eine andere Überschrift — „City-Reifen für Leichtmotorräder“ statt „Diagonalreifen für den Allround-Einsatz“ — und eine eigene, kürzere Liste von drei Versprechen: „Ausgezeichnete Fahreigenschaften auf trockener und nasser Fahrbahn“, „Sehr gute Führungseigenschaften in Schräglage“ und „Lange Lebensdauer“. Von „modernster Mischungstechnologie“ ist dort keine Rede, von Schräglagen-Führung auf dem Allround-Blatt dagegen nicht.

Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern die Antwort auf die Frage, warum sich dieser Reifen so schwer einordnen lässt: Es ist genau genommen ein Name für zwei Produkte. Selbst die Artikelnummern laufen getrennt — die Moped-Ausführungen tragen Nummern aus den Bereichen 01 20 xxx und 02 00 xxx, die Allround-Ausführungen durchgehend 02 40 xxx. Wer also eine Angabe zum ContiGo! liest, sollte zuerst schauen, von welcher der beiden Hälften die Rede ist.

Was Sie bei all diesen Punkten im Kopf behalten sollten: Das sind Herstellerangaben, keine unabhängigen Messwerte — wir geben sie wieder, ohne sie zu bewerten. Eine neutrale Vergleichsgröße fehlt hier auch systematisch: Ein EU-Reifenlabel mit Nasshaftungs- und Effizienzklassen, wie Sie es vom Auto kennen, gibt es für Motorradreifen nicht. Continentals Lieferprogramm führt für die ContiGo!-Größen folgerichtig keine einzige Labelklasse, während die Pkw-Programme sie selbstverständlich ausweisen. Wie ein solches Etikett überhaupt funktioniert, erklären wir im Glossar zum EU-Reifenlabel — für diesen Reifen bleibt die Orientierung aber zwangsläufig bei Bauart, Größe und Index.

Warum der ContiGo! zwischen zwei Welten steht

Continental sortiert seine Motorrad- und Rollerreifen in zehn Einsatzsegmente, und der ContiGo! taucht in zwei davon auf: unter „Allround / City“ (gemeinsam mit dem ContiStreet, den Continental als „Premium Diagonal-Reifen für Leicht-Motorräder“ führt) und unter „Moped“ (dort neben dem KKS 10 beziehungsweise KKS 10 WW und dem KKS 11 „City-EL“, einem Elektromobilreifen).

Genauso aufschlussreich ist, wo er nicht auftaucht. Im Segment „Classic“ steht er nicht — dort führt Continental ausschließlich den ContiClassicAttack, einen Radialreifen für klassische Motorräder, sowie die Diagonal-Linie RB 2 / K 112. Und im Segment „Scooter“ fehlt er ebenfalls; das ist das Revier von ContiScoot, ContiTwist beziehungsweise ContiTwist WW, LB und LB WW, ContiClassic sowie K 62 und K 62 WW. Falls Sie also einen Roller fahren: Der ContiGo! ist nicht Ihr Reifen — für den Roller sieht Continental unter anderem den ContiTwist vor, den wir in einem eigenen Beitrag zum Allround-Rollerreifen vorgestellt haben.

Diese Einordnung ist mehr als Etiketten-Kunde. Sie erklärt, warum der ContiGo! ein so eigenartig breites Größenspektrum abdeckt: Er soll die Lücke zwischen dem 50er-Moped und dem leichten Motorrad füllen — also genau jene Fahrzeuge, für die Sportreifen sinnlos und Rollerreifen unpassend sind.

Und jetzt das Ergebnis des Abgleichs. Wir führen aktuell 32 ContiGo!-Ausführungen, alle lieferbar und am Lager. Continentals Lieferprogramm 2026 nennt für den ContiGo! insgesamt ebenfalls 32 Ausführungen: 6 unter „Moped“ und 26 unter „Allround / City“. Wir haben alle 32 Hersteller-Artikelnummern einzeln gegen unseren Bestand geprüft — und sie stimmen eins zu eins überein. Unser ContiGo!-Regal ist also nicht ein Ausschnitt, sondern das vollständige aktuelle Lieferprogramm dieses Reifens: keine Ausführung fehlt, keine ist zusätzlich dabei. Bei einem Reifen, dessen Größen sich über fünf Felgendurchmesser und zwei Fahrzeugwelten verteilen, ist das die praktisch wichtigste Information überhaupt — Sie müssen nicht weitersuchen, ob es die passende Größe woanders vielleicht noch gibt.

In unserem Sortiment schlägt sich die Zweiteilung direkt nieder: Die 6 Moped-Ausführungen laufen unter Mofa-, Moped- und Rollerreifen, die 26 Allround-Ausführungen unter Motorradreifen für die Straße. Herstellersystematik und unser Bestand sagen damit nicht nur dasselbe — sie sind deckungsgleich.

Hinweis zur Quellenlage: Die Größenliste auf Continentals Produktseite im Web ist für diesen Abgleich nicht brauchbar. Sie zeigt in einem Reiter drei Dimensionen, deren Artikelnummern im Lieferprogramm 2026 überhaupt nicht mehr vorkommen — offenbar Altbestände der Seite. Alle Programmangaben in diesem Beitrag stammen deshalb aus dem datierten Lieferprogramm, nicht aus der Webtabelle.

Mit Schlauch oder ohne: die klarste Trennlinie im Programm

Wenn Sie sich aus diesem Beitrag eine einzige Regel merken, dann diese: In unserem Bestand sind alle 6 Moped-Ausführungen TT und alle 26 Motorrad-Ausführungen TL — ausnahmslos, ohne eine einzige Abweichung. Die Trennlinie zwischen den beiden Welten verläuft exakt entlang der Bauart, und Continentals Datenblätter bestätigen das für jede einzelne Nummer.

TT heißt Tube Type: Der Reifen braucht zwingend einen Schlauch. TL heißt Tubeless: Er ist für den schlauchlosen Betrieb ausgelegt. Praktisch bedeutet das: Wenn Sie eine der Mopedgrößen kaufen, ist der Reifen allein noch nicht der ganze Einkauf — der passende Schlauch gehört dazu. Und das ist bei diesem Reifen keine Kleinigkeit, sondern ein erheblicher Teil der Rechnung: Der günstigste ContiGo! überhaupt, der ContiGo! in 2 1/4-16 38J, kostet bei uns 31,56 Euro. Der dazu passende Schlauch in 2 1/4-16 mit Ventil 34 G kostet 15,12 Euro — also fast die Hälfte des Reifenpreises obendrauf. Für die beiden 2 1/2-16- und die 2 3/4-16-Ausführungen ist der Schlauch für 2 1/2 und 2 3/4 in 16 Zoll mit 16,07 Euro zuständig. Wer das nicht einplant, wundert sich an der Kasse.

Achten Sie beim Schlauch zusätzlich auf das Ventil. Continental führt seine Mopedschläuche ausdrücklich in zwei Ausführungen: mit Fahrradventil und mit Autoventil. Welches davon Sie brauchen, entscheidet nicht der Reifen, sondern das Loch in Ihrer Felge — und bei einem 40 Jahre alten Moped ist das keine Formsache. Messen oder nachsehen, bevor Sie bestellen; ein Schlauch mit dem falschen Ventilfuß lässt sich nicht montieren. Unser gesamtes Angebot finden Sie unter Motorrad-Schläuchen.

Tipp: Den Schlauch beim Reifenwechsel grundsätzlich mit erneuern. Er kostet einen Bruchteil des Reifens, altert aber genauso — und er ist das Bauteil, das Sie bei einer Panne am Straßenrand ärgert, nicht der Reifen.

Umgekehrt gilt etwas, das viele überrascht: Ein TL-Reifen auf einem Speichenrad braucht in aller Regel trotzdem einen Schlauch, weil das Speichenrad selbst nicht luftdicht ist. TL sagt also, was der Reifen kann — nicht, was Ihr Rad verlangt. Diese Unterscheidung führt regelmäßig zu Fehlkäufen, und man muss sie nicht glauben: Continental nennt im Lieferprogramm zu jeder einzelnen der 26 TL-Größen des ContiGo! einen passenden Butyl-Schlauch samt Typenbezeichnung, von „G 16“ über „D/E 17“ und „E/F 18“ bis „C/D 21“. Ein Hersteller, der für einen schlauchlosen Reifen durchgehend den dazugehörigen Schlauch mit auflistet, rechnet ganz offensichtlich damit, dass dieser Reifen oft auf Speichenrädern landet — bei einem Allround-Diagonalreifen für Klassiker und leichte Maschinen ist das auch kein Wunder. Welche Kombination bei Ihnen zulässig ist, steht in den Fahrzeugpapieren; die Zusammenhänge erklären wir ausführlich im Ratgeber zu Motorrad-Schläuchen und der TT/TL-Frage.

Alte Zollgrößen richtig lesen: 2 1/4-16, 3.25-19 und 4.00-18

Der ContiGo! ist einer der wenigen Reifen, bei denen Sie im selben Programm drei verschiedene Schreibweisen für Größen antreffen. Von unseren 32 Ausführungen — sie verteilen sich auf 25 verschiedene Größen, weil es mehrere Größen in zwei Index-Varianten gibt — sind 23 in der vertrauten metrischen Schreibweise angegeben, etwa 110/70-17 oder 130/80-18. Bleiben 9 Ausführungen in Zoll-Schreibweise, und die zerfallen noch einmal in zwei Gruppen.

Die Dezimal-Zoll-Größen — bei uns 3.25-19, 3.00-21 und 4.00-18 — stammen aus der Zeit vor der metrischen Bemaßung. Die erste Zahl ist die ungefähre Reifenbreite in Zoll, die zweite der Felgendurchmesser. Ein 4.00-18 ist also grob vier Zoll breit und passt auf eine 18-Zoll-Felge. Eine Höhen-Breiten-Angabe fehlt, weil diese Reifen praktisch alle ein Verhältnis um 100 Prozent haben: Sie sind so hoch wie breit.

Die Bruch-Zoll-Größen sind die eigentlichen Mopedgrößen: 2 1/4-16, 2 1/2-16, 2 3/4-16, 2 1/4-17 und 2 3/4-17. Hier steht ein Bruch für die Breite — 2 1/4 Zoll sind rund 57 Millimeter. Diese Größen finden Sie auf klassischen 50ern, und sie sind der Grund, warum die Suche nach Mopedreifen oft so mühsam ist: Wer im Kopf metrisch denkt, findet sie schlicht nicht.

Und es gibt noch eine vierte Schreibweise, die vor allem in alten Papieren und Katalogen auftaucht. Continental führt im Moped-Datenblatt zu jeder dieser Größen eine Spalte mit der überholten Bezeichnung mit: Aus 2 1/4-16 wird dort „20 x 2,25“, aus 2 1/2-16 „20 x 2,5“, aus 2 3/4-16 „20 x 2,75“, aus 2 1/4-17 „21 x 2,25“ und aus 2 3/4-17 „21 x 2,75“. Die Logik dahinter: Die erste Zahl ist nicht die Felge, sondern der ungefähre Außendurchmesser des fertig montierten Reifens in Zoll — 16 Zoll Felge plus zweimal gut zwei Zoll Flanke ergeben eben rund 20 Zoll. Wenn Sie in Ihren Fahrzeugpapieren oder in einem alten Ersatzteilkatalog eine Angabe wie „20 x 2.25“ finden und sie im Shop nirgends wiederfinden: Das ist kein anderer Reifen, das ist dieselbe Größe in der alten Sprache. Vier unserer sechs Moped-Ausführungen tragen diese Altbezeichnung sogar bis heute in der Artikelbezeichnung mit. Was hinter den Angaben steckt, haben wir im Ratgeber zu Roller- und Mopedreifen aufgedröselt.

Verteilt über alle Größen deckt der ContiGo! bei uns 16, 17, 18, 19 und 21 Zoll ab — eine 20-Zoll-Ausführung gibt es nicht. Der Schwerpunkt liegt mit 12 Ausführungen klar auf 18 Zoll, es folgen 17 Zoll mit 9 und 16 Zoll mit 6 Ausführungen; 19 und 21 Zoll sind mit 3 beziehungsweise 2 Ausführungen Randgrößen.

J, M, H oder V: was der Geschwindigkeitsindex hier bedeutet

Der Geschwindigkeitsindex ist der Buchstabe hinter der Tragfähigkeitszahl, und er trennt die beiden Welten fast so sauber wie die TT/TL-Frage. In unserem ContiGo!-Bestand verteilt er sich so: 17 Ausführungen tragen H, 9 tragen V, 4 tragen J und 2 tragen M.

Übersetzt heißt das: J steht für 100 km/h, M für 130 km/h, H für 210 km/h und V für 240 km/h. Die J- und M-Reifen sind genau die sechs Mopedgrößen — und Continental sagt das im Moped-Datenblatt selbst, indem es den ContiGo! dort als „Kleinkraftrad-Reifen (bis 100 km/h bzw. 130 km/h)“ einordnet. Für ein Fahrzeug, das bauartbedingt 45 km/h fährt, ist ein 100-km/h-Reifen mehr als ausreichend. Die H- und V-Reifen sind durchweg die Motorradgrößen.

Warum es überhaupt zwei Mopedvarianten gibt, steht ebenfalls im Datenblatt — und es ist nicht der Geschwindigkeitsindex allein. Die beiden M-Ausführungen (2 1/2-16 42M und 2 3/4-16 46M) führt Continental als „Reinf.“, also mit verstärkter Karkasse; die J-Ausführungen nicht. Die 130-km/h-Freigabe ist damit eher ein Nebeneffekt der stabileren Bauart als deren Zweck. Das erklärt auch eine Preisauffälligkeit, die man sonst für einen Fehler halten würde: Die Dimension 2 1/2-16 führen wir sowohl als 2 1/2-16 42J für 59,40 Euro als auch als 2 1/2-16 42M mit verstärkter Karkasse für 41,40 Euro. Der langsamere, einfachere Reifen ist hier also der deutlich teurere — und zwar um 18 Euro oder 43 Prozent. Solche Paarungen entstehen, weil einzelne Fahrzeuge ausdrücklich die eine oder andere Freigabe verlangen, nicht weil eine Variante die bessere wäre. Wenn Ihre Papiere beides zulassen, lohnt der Blick auf beide Zeilen also doppelt.

Wichtig ist die Richtung der Regel: Den vorgeschriebenen Index dürfen Sie nie unterschreiten, überschreiten dagegen schon. Was in Ihren Papieren steht, ist die Untergrenze. Interessant wird das dort, wo wir dieselbe Größe in zwei Indizes führen — das ist bei fünf Größen der Fall: 100/90-18, 100/90-19, 120/90-18, 130/90-16 und 130/90-17. Und das Ergebnis ist bemerkenswert uneinheitlich. Bei 100/90-18 kostet die H-Variante 94,03 Euro und die V-Variante 107,02 Euro, bei 120/90-18 stehen 116,53 gegen 129,95 Euro und bei 130/90-17 113,10 gegen 135,22 Euro — hier zahlt man den Aufpreis also tatsächlich. Bei 100/90-19 ist es umgekehrt (113,69 Euro für H, 110,48 Euro für V), und bei 130/90-16 ist der Abstand sogar deutlich: 118,33 Euro für die H-Ausführung gegen 102,62 Euro für die 130/90-16 67V. In zwei von fünf dieser Größenpaare ist der höher eingestufte Reifen bei uns der günstigere — und zwar um bis zu 15,71 Euro. Ein Aufpreis für „mehr Index“ ist also keine Selbstverständlichkeit; es lohnt sich, beide Varianten kurz zu vergleichen, statt reflexhaft die vermeintlich einfachere zu nehmen.

Die gleiche Größe zweimal: Vorder- oder Hinterreifen?

Eine Stolperfalle verdient besondere Aufmerksamkeit, weil sie sich beim Bestellen leicht übersehen lässt. Die Größe 110/90-18 61H führen wir zweimal — und es handelt sich nicht um ein Versehen im Katalog, sondern um zwei verschiedene Reifen: einmal als Vorderreifen in 110/90-18 61H für 111,12 Euro und einmal als Hinterreifen in 110/90-18 61H für 119,00 Euro.

Größe, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitsindex und Bauart sind identisch — die Achsposition ist es nicht. Vorder- und Hinterreifen haben unterschiedliche Aufgaben: Der vordere muss vor allem lenken, führen und Bremskräfte aufnehmen, der hintere muss Antriebskräfte übertragen und trägt mehr Last. Entsprechend unterscheiden sich Profilausrichtung und Karkasse, obwohl außen dieselbe Zahlenkombination steht. Ein Reifen, der für die Hinterachse gebaut ist, gehört nicht nach vorn — auch dann nicht, wenn er passt und die Zahlen stimmen.

Hier hilft ein Trick, den kaum jemand kennt. Continental ordnet im Lieferprogramm nämlich jede einzelne der 26 Straßengrößen fest einer Achse zu — 12 Ausführungen stehen unter „Vorderrad“, 14 unter „Hinterrad“ — und diese Zuordnung steckt in der Hersteller-Artikelnummer, die auf jeder unserer Artikelseiten mit abgedruckt ist. Unsere Artikelbezeichnungen tragen den Zusatz „Front“ beziehungsweise „Rear“ dagegen nur dort, wo er zur Unterscheidung nötig ist, also bei 5 der 32 Ausführungen. Fehlt der Zusatz, heißt das also nicht, dass der Reifen beliebig einsetzbar wäre — es heißt nur, dass die Größe im Programm eindeutig ist und keine Verwechslungsgefahr besteht. Wer es genau wissen will, vergleicht die Artikelnummer auf der Produktseite mit der Liste im Lieferprogramm. Zur Orientierung: Die großen, breiten Dimensionen sitzen hinten (4.00-18, 120/90-18, 130/70-17, 130/80-17, 130/90-16, 130/90-17, 140/80-17, 150/70-18), die schmalen und die großen Durchmesser vorn (110/70-17, 110/80-17, 90/90-18, 100/90-18, 3.25-19, 100/90-19, 3.00-21, 90/90-21).

Ein zweiter Doppelfall sieht aus wie der erste, ist aber ein anderer. Die Größe 130/90-16 führen wir ebenfalls zweimal — doch hier sind beide Ausführungen Hinterreifen, sie unterscheiden sich allein im Geschwindigkeitsindex (67H und 67V). Wer hier nach „Front“ und „Rear“ sucht, sucht vergebens und wählt am Ende womöglich nach dem falschen Kriterium. Merksatz: Steht eine Größe zweimal im Regal, prüfen Sie erst, was sich unterscheidet — Achse oder Index —, und entscheiden Sie dann. Welche Dimension bei einem Klassiker oder einer leichten Enduro vorn oder hinten üblich ist, zeigen wir am Beispiel der Größe 100/90-19, die es beim ContiGo! in beiden Indizes gibt.

Was bei der Umrüstung und Eintragung gilt

Weil der ContiGo! überwiegend auf älteren Maschinen landet, gehört ein Punkt dazu, den man beim Reifenkauf gern überspringt: Darf der Reifen überhaupt drauf? Continental widmet dem im Lieferprogramm 2026 einen eigenen Hinweis und verweist darin auf die im Verkehrsblatt 15-2019 vom 15.08.2019 neu festgelegte Praxis der Reifenumrüstung an Motorrädern. Die Neuregelung gilt laut Continental für Reifen, die nach dem 31.12.2019 hergestellt wurden, und ab dem 01.01.2025 für alle Reifenumrüstungen.

Dabei kommt es entscheidend darauf an, was für ein Fahrzeug Sie haben:

  • Fahrzeuge mit EU-Typgenehmigung (laut Continental die Mehrheit ab Baujahr 2000): Gleiche Reifengröße, anderer Hersteller — die Umrüstung ist zulässig, die Betriebserlaubnis erlischt nicht, eine Anbauabnahme und Eintragung ist nicht nötig. Continental verweist dafür ausdrücklich auf Verkehrsblatt 15-2019, Nr. 90. Wichtig für die TT/TL-Frage: Die geänderte Bereifung muss nach UN/ECE-Regelung 75 typgenehmigt sein, und Geschwindigkeitsindex und Traglast müssen gleich oder höherwertig sein — „eine Änderung der Bauart ist hierbei jedoch zulässig“. Eine in den Papieren eingetragene Reifenfabrikatsbindung entfällt für diese Fahrzeuge durch die Neuregelung.
  • Fahrzeuge ohne EU-Typgenehmigung — also die alten Maschinen mit ABE oder mit Einzelabnahme nach § 20/21 StVZO, und damit ein großer Teil der ContiGo!-Kundschaft: Hier gilt das Gegenteil. Die Verwendung anderer Reifen als der in den Zulassungsdokumenten aufgeführten ist laut Continental nicht zulässig; nötig wäre eine Begutachtung nach § 21 StVZO. Wer also einen Zündapp- oder Kreidler-Klassiker bereift, kann sich nicht auf die Liberalisierung für moderne Fahrzeuge berufen.

Was folgt daraus praktisch? Erstens: Lesen Sie Ihre Papiere, bevor Sie bestellen — bei den alten Fahrzeugen ist der Eintrag maßgeblich, nicht die Plausibilität. Zweitens: Früher ausgestellte Unbedenklichkeitsbescheinigungen und Service-Informationen verlieren laut Continental bei einer Größen- oder Bauartänderung ihre Gültigkeit und können nur noch als Prüfgrundlage für die Begutachtung dienen — eine alte Bescheinigung in der Schublade ist also kein Freifahrtschein. Und drittens: Im Zweifel klärt das eine Prüforganisation oder die Zulassungsstelle in fünf Minuten, und zwar verbindlich. Wir geben hier Continentals Darstellung wieder und können keine Rechtsauskunft erteilen; gerade bei Oldtimern und Mopeds lohnt die Rückfrage aber fast immer.

Für wen sich der ContiGo! lohnt – und für wen nicht

Preislich liegen zwischen den beiden Welten Größenordnungen — und zwar wörtlich. Die Mopedgrößen bewegen sich bei uns zwischen 31,56 und 59,40 Euro, die Motorradgrößen zwischen 80,65 und 135,22 Euro. Zwischen 59,40 und 80,65 Euro klafft eine Lücke: Die beiden Welten berühren sich preislich nicht einmal, obwohl sie denselben Namen tragen. Das ist unser aktueller Stand und kein allgemeiner Marktpreis, aber es zeigt die Spanne. Der Einstieg ins Programm ist nach wie vor die kleinste Mopedgröße 2 1/4-16 für 31,56 Euro; die günstigste Straßengröße ist bemerkenswerterweise keine moderne metrische, sondern die klassische Zollgröße ContiGo! in 3.25-19 54H für 80,65 Euro — die alten Schreibweisen sind hier also nicht die teuren Exoten, sondern der preiswerteste Weg auf die Straße.

Der ContiGo! passt, wenn Sie ein Moped oder ein leichtes, unsportliches Motorrad im Alltag bewegen, Wert auf Laufleistung und Berechenbarkeit legen und eine Maschine mit klassischen Felgenmaßen fahren. Dass wir das komplette Lieferprogramm vorhalten, macht ihn zusätzlich zur bequemen Wahl: Sie finden die Größe, die Continental anbietet, auch tatsächlich. Er passt nicht, wenn Sie einen Roller fahren (dann ContiTwist oder ContiScoot), wenn Sie einen Klassiker mit Radialbereifung aufbauen wollen (dann ContiClassicAttack) oder wenn Sie sportlich ambitioniert unterwegs sind — dafür ist ein Diagonalreifen dieser Auslegung schlicht nicht gemacht.

Was am Ende über die Haltbarkeit entscheidet, ist ohnehin weniger das Profil als der Luftdruck; wie Sie ihn richtig finden und halten, steht im Ratgeber zum Reifendruck am Motorrad. Alle verfügbaren Dimensionen mit tagesaktuellen Preisen finden Sie in der Übersicht aller ContiGo!-Größen.

Häufige Fragen

Brauche ich für den ContiGo! in Mopedgröße wirklich einen Schlauch?

Ja. Alle sechs Mopedausführungen in unserem Sortiment sind TT-Reifen (Tube Type) und damit ausdrücklich für den Betrieb mit Schlauch gebaut. Rechnen Sie ihn von vornherein mit ein — bei 15 bis 17 Euro ist er ein erheblicher Teil der Rechnung — und achten Sie auf das zur Felge passende Ventil.

Ist ein Diagonalreifen schlechter als ein Radialreifen?

Nein, er ist anders. Radialreifen bieten bei hohen Geschwindigkeiten und Schräglagen Vorteile, brauchen dafür aber ein passendes Fahrwerk. Auf leichten Maschinen mit schmalen Felgen und hohen Flanken spielt der Diagonalreifen seine Stärken aus — Gutmütigkeit, Stabilität und Haltbarkeit. Entscheidend ist, was für Ihr Fahrzeug freigegeben ist.

Kann ich den ContiGo! auf meinen Roller ziehen?

Continental führt den ContiGo! nicht im Scooter-Segment, sondern unter „Allround / City“ und „Moped“. Für Roller sieht der Hersteller andere Reifen vor, etwa den ContiTwist oder den ContiScoot. Maßgeblich ist immer die Freigabe in Ihren Fahrzeugpapieren.

Passende Reifen für Moped und leichtes Motorrad finden Sie in unserer Motorradreifen-Übersicht.

Quellen: Continental, Produktseite ContiGo! (Allround) auf continental-reifen.de, abgerufen am 12.10.2026; Continental, „Lieferprogramm 2026 — Motorrad- und Rollerreifen“ (PDF), Datenblätter ContiGO! (Allround) Seite 42 und ContiGO! (Moped) Seite 51, Segmentübersicht, Schlauchtabellen und Hinweis zur Reifenumrüstung mit Bezug auf Verkehrsblatt 15-2019 vom 15.08.2019; eigene Sortimentsauswertung reifentiefpreis.live inklusive Abgleich aller 32 Hersteller-Artikelnummern, Stand 12.10.2026.

Schlagwörter: Continental ContiGo Motorradreifen Mopedreifen Diagonalreifen

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