AUTO BILD Sommerreifen-Test 2026: Hankook siegt – und alle 20 Finalisten tragen dasselbe Nässe-Label
Der ADAC ist nicht der Einzige, der Sommerreifen auf Herz und Nieren prüft: Auch die Fachzeitschrift AUTO BILD legt jedes Frühjahr einen der aufwendigsten Reifenvergleiche des Jahres vor. Für den Sommerreifen-Test 2026 kaufte die Redaktion 50 Profile verdeckt ein und ließ sie in der Oberklasse-Dimension 245/45 R19 gegeneinander antreten. Am Ende stand ein Sieger, der zugleich zu den günstigsten aller Finalisten gehörte.
Wir fassen die Ergebnisse sachlich zusammen – und gehen an drei Stellen einen Schritt weiter als die reine Rangliste. Erstens haben wir alle 20 Finalisten mit dem abgeglichen, was heute tatsächlich im Regal steht: verfügbar, in welcher Generation, zu welchem Preis. Zweitens haben wir das EU-Reifenlabel aller 20 Testreifen nebeneinandergelegt – mit einem Ergebnis, das viele Käufer überraschen dürfte. Drittens haben wir die Kostenrechnung des Tests mit den Preisen von heute noch einmal durchgerechnet. Alle Regal-, Label- und Preisangaben stammen aus unserem eigenen Bestand, Stand 18. September 2026.
Wie AUTO BILD getestet hat: 50 Kandidaten, 20 Finalisten
Getestet wurde in der Größe 245/45 R19 102Y – eine Dimension, wie sie an BMW 5er, Audi A6 oder der Mercedes S-Klasse montiert ist. AUTO BILD ging in zwei Stufen vor:
- Qualifying: Alle 50 Reifentypen absolvierten zunächst die Bremsstrecken der ATP Papenburg. Entscheidend war allein die Summe aus Trocken- und Nassbremsweg. Nur die 20 besten Modelle zogen weiter – 30 Produkte schieden aus.
- Haupttest: Die verbliebenen 20 durchliefen das komplette Programm. Weitere Prüfungen fanden auf dem Idiada-Testgelände in Katalonien und auf der Rennstrecke Circuit d'Alcarràs statt, Teile des Haupttests erneut in Papenburg. Als Testfahrzeug diente ein BMW 5er.
Bewertet wurde in mehreren Kapiteln, wobei die Nässe-Disziplinen das größte Gewicht bekamen – allein die Nasshandling-Prüfungen machen rund 40 Prozent des Gesamtergebnisses aus. Dazu kamen Trockenbremsen und -handling, Komfort und Geräusch sowie die Wirtschaftlichkeit aus Rollwiderstand, Verschleiß und hochgerechneter Laufleistung. Die Laufleistung ermittelte die Redaktion nicht auf der Straße, sondern über einen 4.000 Kilometer langen Abriebtest auf dem Rollenprüfstand – dort herrschen konstante Bedingungen, die Werte sind deshalb untereinander fair vergleichbar, aber eben Prognosen und keine gefahrenen Kilometer. Aus Note und Preis errechnet AUTO BILD zusätzlich die Kosten pro 1.000 Kilometer, ein Wert, der den reinen Anschaffungspreis relativiert und langlebige Reifen belohnt.
Eine Besonderheit: Einen im Qualifying disqualifizierten Billigreifen nahm die Redaktion bewusst in ausgewählte Disziplinen des Haupttests mit, um zu zeigen, wie gefährlich extreme Sparsamkeit werden kann. Auf diesen Sonderfall kommen wir weiter unten zurück. Transparenzhinweis der Redaktion: Der Test wurde nach eigenen Angaben unterstützt von Bridgestone, Continental, Goodyear, Hankook, Kumho, Michelin, Nokian, Pirelli und dem TÜV Süd; AUTO BILD verweist dazu auf die eigenen Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit. Wie ein Reifentest grundsätzlich abläuft und warum verdeckter Einkauf dabei so wichtig ist, erklären wir ausführlich unter wie ein Reifentest entsteht.
Der Testsieger: Hankook Ventus evo
Mit der Gesamtnote 1,1 fuhr der Hankook Ventus evo souverän an die Spitze. Seine Stärke war nicht ein einzelner Ausreißer nach oben, sondern die Bandbreite: Er gewann beide Trocken-Disziplinen und war zugleich bei Nässe vorn.
Im Trockenen setzte er Maßstäbe und distanzierte den Zweitplatzierten beim Bremsen um mehr als einen Meter (32,8 Meter aus 100 km/h). Auf dem Handlingkurs fuhr der BMW mit ihm sowohl nass als auch trocken die schnellsten Rundenzeiten – 101,5 km/h im Trockenen, 83,6 km/h bei Nässe, beides Bestwerte. Dazu kommt eine prognostizierte Laufleistung von 56.310 Kilometern und ein Durchschnittspreis von rund 620 Euro je Satz; zusammen ergab das im Test 11,01 Euro pro 1.000 Kilometer und damit den günstigsten Betriebskostenwert aller 20 Finalisten.
Seine erkennbare Schwäche liegt beim Aquaplaning: Mit 90,4 km/h Aufschwimmgeschwindigkeit kam er nicht über das hintere Drittel hinaus – nur drei Finalisten schwammen noch früher auf. Wie sich der Reifen technisch einordnet, lesen Sie im Modell-Porträt Hankook Ventus evo im UHP-Segment. In der Testgröße führen wir ihn als Hankook Ventus evo K137 245/45 R19 102Y für 156,41 Euro je Reifen.
Das komplette Feld: von Note 1,1 bis 3,2
Viele Zusammenfassungen dieses Tests hören nach den ersten fünfzehn Plätzen auf – dabei steht die eigentliche Spannweite erst weiter unten. Hier ist die vollständige Rangliste mit den Noten, wie AUTO BILD sie veröffentlicht hat:
- 1. Hankook Ventus evo – 1,1 (sehr gut), exzellentes Handling nass wie trocken, kürzeste Trockenbremswege.
- 2. Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6 – 1,2 (sehr gut), mit 63.830 Kilometern die mit Abstand höchste prognostizierte Laufleistung des Tests; dafür Sonderwertung „Grüner Reifen 2026“ und Titel Eco-Meister. Knapp dahinter teilten sich Continental, Kleber und Michelin punktgleich Rang zwei dieser Nachhaltigkeitswertung. Mehr im Porträt Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6, im Regal als Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6 245/45 R19 102Y.
- 3. Michelin Pilot Sport 5 – 1,3 (sehr gut), dynamisches Handling, zweithöchste Laufleistung, dafür der zweithöchste Kaufpreis. Wie er sich zum sportlicheren Schwestermodell verhält, klärt Michelin Pilot Sport 5 oder 4 S?.
- 4. Pirelli Cinturato C3 – 1,4 (sehr gut), der ausgewiesene Regenexperte des Feldes, Zweiter im Nasshandling. Details im Porträt Pirelli Cinturato C3, im Shop als Pirelli Cinturato (C3) 245/45 R19 102Y.
- 5. Giti GitiSport S2 Plus – 1,4 (sehr gut), die Überraschung des Tests: eine Marke außerhalb des klassischen Premium-Kreises, die sich mit souveränen Fahrleistungen mitten hineinschob. Bei uns steht sie als Giti Sport S2+ 245/45 R19 102Y im Regal.
- 6. Kumho Ecsta Sport PS72 – 1,6 (gut) und 7. Continental PremiumContact 7 – 1,6 (gut). Der Continental war beim ADAC-Sommerreifentest desselben Jahres Gesamtsieger – ein gutes Beispiel dafür, dass verschiedene Testhäuser zu unterschiedlichen Reihenfolgen kommen; mehr dazu im Porträt Continental PremiumContact 7.
- 8. GT Radial SportActive 2 EVO – 1,8 (gut), die Zweitmarke von Giti, auffällig leise und im Test der Zweitbeste beim Preis-Leistungs-Verhältnis.
- 9. Nexen N Fera Sport – 1,9 · 10. Vredestein Ultrac Pro – 1,9 · 11. Nokian Powerproof 2 – 2,1 · 12. Bridgestone Potenza Sport EVO – 2,1 · 13. Yokohama Advan Sport (V107) – 2,4 · 14. Dunlop SP Sport Maxx RT – 2,4 · 15. Falken Azenis FK 520 – 2,4 (alle „gut“); zum Falken haben wir ein eigenes Porträt: Falken Azenis FK520.
- 16. Linglong Sport Master – 2,6 · 17. Toyo Proxes Sport 2 – 2,8 · 18. Maxxis Victra Sport 6 – 3,0 · 19. Kleber Dynaxer HP 5 – 3,2 · 20. Sava Intensa UHP 2 – 3,2 (alle „befriedigend“).
Die Spannweite ist damit größer, als die Schlagzeilen vermuten lassen: Zwischen dem Testsieger und den beiden Letztplatzierten liegen 2,1 Notenpunkte und zwei volle Notenstufen. Fünf Reifen des Feldes sind „befriedigend“ – ein Urteil, das AUTO BILD nicht an Sicherheitsmängel knüpft, das aber deutlich macht, dass auch unter den 20 besten von 50 Kandidaten noch erhebliche Unterschiede stecken.
„Vorbildlich“ ist keine Note – sondern ein eigenes Urteil
Hier lohnt ein genauer Blick, denn die Begriffe werden oft vermischt. Die Schulnoten des Tests reichen von 1,1 bis 3,2, und die zugehörigen Notenstufen heißen „sehr gut“ (Ränge eins bis fünf), „gut“ (Ränge sechs bis 15) und „befriedigend“ (Ränge 16 bis 20).
Davon getrennt vergibt die Redaktion das Prädikat „Vorbildlicher Reifen“. AUTO BILD schreibt dazu ausdrücklich, dieses Urteil werde „an überzeugende Reifen vergeben, ist aber an keine Schulnote gebunden“. Fünf Reifen erhielten es in diesem Test: Hankook, Goodyear, Michelin, Pirelli und – als Überraschung – Giti. Dazu kommen zwei weitere Auszeichnungen mit eigenen Regeln: der Eco-Meister und der Titel „Grüner Reifen 2026“, in die laut Redaktion Laufleistung, Reifenabrieb, Rollwiderstand, Vorbeifahrgeräusch, Reifengewicht und der Transportweg einfließen. Beide gingen an den Goodyear.
Für Sie als Käufer heißt das: Eine Auszeichnung auf der Verpackung oder in einer Anzeige ist nicht automatisch dasselbe wie eine Spitzennote, und eine Spitzennote ist nicht automatisch mit einem Siegel verbunden. Wer Testergebnisse vergleicht, sollte immer nachsehen, welche Zahl hinter dem Lob steht – und aus welchem Testjahr sie stammt.
Die Teilnoten: wo die Unterschiede wirklich liegen
Die Gesamtnote verdichtet ein Dutzend Einzelmessungen zu einer Zahl – und verdeckt dabei, dass fast jeder Reifen eine ausgeprägte Stärke und eine ausgeprägte Schwäche hat. Die Einzelwerte des Tests zeigen das deutlich:
- Trockenbremsen: Hankook 32,8 m – Falken und Dunlop 35,3 m. Zwischen Erstem und Letztem liegen nur 2,5 Meter.
- Nassbremsen: Linglong 39,3 m – Yokohama 47,9 m. Hier klaffen 8,6 Meter, also gut anderthalb Fahrzeuglängen.
- Nasshandling: Hankook 83,6 km/h – Kleber 79,4 km/h.
- Aquaplaning: Toyo 94,9 km/h und Goodyear 94,7 km/h vorn – Maxxis 89,2 km/h am Ende.
- Geräusch: Nexen 70,6 dB als leisester, Pirelli 75,2 dB als lautester Finalist.
- Laufleistung: Goodyear 63.830 km – Linglong 35.570 km.
- Rollwiderstand: Kleber 6,67 kg/t – Yokohama 10,10 kg/t.
Zwei Beobachtungen daraus sind für die Kaufentscheidung wichtiger als die Rangliste selbst. Erstens: Die Streuung ist je nach Disziplin völlig unterschiedlich groß. Beim Trockenbremsen trennen die 20 Finalisten 7,6 Prozent, beim Nassbremsen 21,9 Prozent, bei der prognostizierten Laufleistung 44 Prozent und beim Rollwiderstand 51 Prozent. Wer also nur auf den Trockenbremsweg schaut, sucht sich ausgerechnet die Disziplin aus, in der die Unterschiede am kleinsten sind.
Zweitens: Auch der Sieger hat eine Schwäche. Beim Aquaplaning kam der Hankook mit 90,4 km/h nicht über das hintere Drittel hinaus – wer viel bei Starkregen auf der Autobahn unterwegs ist, sollte das wissen und findet bei Toyo oder Goodyear mehr Reserve. Wie Aquaplaning entsteht und wie Sie darauf reagieren, erklärt unser Ratgeber Aquaplaning vermeiden. Umgekehrt zeigt der Kleber, dass ein niedriger Rollwiderstand bares Geld spart – was das für den Verbrauch bedeutet, rechnet unser Beitrag Rollwiderstand und Spritverbrauch vor. Nur nützt der beste Rollwiderstand wenig, wenn es bei Nässe hakt: Genau dort war der Kleber Letzter im Handling.
Zwanzigmal Klasse A: was das EU-Label in diesem Feld nicht zeigt
AUTO BILD druckt in der Vergleichstabelle neben jeder Note auch das EU-Reifenlabel ab. Wir haben diese 20 Label nebeneinandergelegt – und das Ergebnis ist eindeutig: Alle 20 Finalisten tragen bei der Nasshaftung dieselbe Bestklasse A. Kein einziger Reifen im Feld hat B oder schlechter.
Gleichzeitig reichen die gemessenen Nassbremswege von 39,3 bis 47,9 Metern. Anders gesagt: Zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen der Label-Klasse A liegen in diesem Testfeld 8,6 Meter Bremsweg aus Tempo 100. Der Reifen mit dem kürzesten Nassbremsweg (Linglong, C/A, 69 dB) und der mit dem längsten (Yokohama, D/A, 71 dB) unterscheiden sich im einzigen Nässe-Kriterium des Labels um – nichts.
Noch deutlicher wird es, wenn man das Label des Testsiegers mit dem des Vorletzten vergleicht. Der Hankook Ventus evo trägt C/A, 70 dB. Der Kleber Dynaxer HP 5, Note 3,2 und Rang 19 von 20, trägt B/A, 70 dB – also dieselbe Nasshaftungsklasse, denselben Geräuschwert und eine bessere Kraftstoffeffizienzklasse. Auf dem Label sieht der Reifen auf Platz 19 besser aus als der Testsieger. Dasselbe gilt für den Nokian Powerproof 2 (B/A, 70 dB, Note 2,1); und die beiden einzigen Reifen des Feldes mit der besten Geräuschklasse A sind GT Radial (Rang 8) und Linglong (Rang 16), nicht die Spitzengruppe.
Das ist kein Vorwurf an das Label – es ist schlicht dessen Konstruktion. Es kennt genau drei Kriterien: Rollwiderstand, Nasshaftung und Vorbeifahrgeräusch. Trockenbremsen, Handling, Aquaplaning, Komfort, Laufleistung und Abrieb kommen darin überhaupt nicht vor – also genau die Disziplinen, in denen dieses Testfeld auseinanderfiel. Und die Klasse A ist eine breite Schublade: Sie beginnt bei einem festgelegten Mindestwert und ist nach oben offen.
Dass A obendrein längst kein Unterscheidungsmerkmal mehr ist, zeigt ein Blick auf unser eigenes Regal: Von den 185 lieferbaren Sommerreifen in 245/45 R19 (Stand 18. September 2026) tragen 99 die Nasshaftungsklasse A, weitere 69 die Klasse B. Wer in dieser Größe nach „A bei Nässe“ filtert, hat noch immer mehr als die Hälfte des Sortiments vor sich. Wie viel Bremsweg tatsächlich zwischen den Klassen liegt, rechnet unser Ratgeber Nasshaftung beim Reifen vor; was das Etikett insgesamt leistet und wo es endet, behandelt der ausführliche Vergleich Ein Label, 46 Reifen. Die Grundlagen stehen kompakt auf unserer Seite zum EU-Reifenlabel.
Übrigens: Derselbe Befund taucht im ADAC-Sommerreifentest 2026 unabhängig noch einmal auf – auch dort trugen alle 16 Testreifen die Nasshaftungsklasse A. Zwei Testhäuser, zwei Größen, dasselbe Muster.
Ein Bestwert macht noch keinen guten Reifen
Die lehrreichste Geschichte des Tests schrieb nicht der Sieger, sondern ein Reifen aus dem hinteren Mittelfeld. Der Linglong Sport Master lieferte den kürzesten Nassbremsweg aller Finalisten und war der Einzige, der aus 100 km/h auf nasser Fahrbahn unter 40 Metern zum Stehen kam. Schon im Qualifying hatte er mit 25,2 Metern aus 80 km/h sogar vor dem späteren Testsieger gelegen.
Trotzdem landete er nur auf Rang 16. Der Grund steht im Kostenkapitel: Mit 35.570 Kilometern hatte er die geringste prognostizierte Laufleistung des Feldes, und im Abriebtest verlor er mit 2.022 Gramm das meiste Material aller 20 Kandidaten – 80 Prozent mehr als der sparsamste Reifen. Ein Reifen, den man deutlich früher ersetzen muss, ist über die Nutzungsdauer eben doch nicht billig, trotz eines Kaufpreises, der im Test bei rund 450 Euro je Satz lag. Wovon die Laufleistung im Alltag abhängt, lesen Sie unter Wie lange hält ein Reifen?; bei uns steht er als Linglong Sport Master 245/45 R19 102Y.
Wie weit es nach unten gehen kann, zeigte der disqualifizierte Billigreifen: Beim Bremsen aus 100 km/h auf trockener Fahrbahn brauchte er mehr als zehn Meter zusätzlich gegenüber dem Testsieger, im Handling war er mit großem Abstand Letzter, und beim Aquaplaning verlor er nach AUTO-BILD-Einschätzung vollständig den Halt. Der Unterschied zwischen einem günstigen und einem riskanten Reifen ist damit gut umrissen: Der Linglong ist ein einseitig ausgelegter, aber sicherer Reifen, der Disqualifizierte war keiner. Woran sich das eine vom anderen unterscheiden lässt, ordnet unser Ratgeber Billigreifen und unbekannte Marken ein.
20 von 20: was Sie in der Testgröße heute bekommen
Ein Test nützt nur, wenn der empfohlene Reifen auch verfügbar ist. Wir haben deshalb unser Sortiment ausgewertet: In 245/45 R19 führen wir 342 lieferbare Ausführungen von 73 Marken, davon 185 Sommerreifen, 86 Winter- und 71 Ganzjahresreifen. Die Sommerreifen kosten zwischen 58 Euro und deutlich über 300 Euro je Reifen; der Median liegt bei 156,54 Euro, die mittlere Hälfte des Angebots zwischen 120 und 190 Euro.
Alle 20 Finalisten sind in der Testgröße lieferbar. Das war nicht immer so: Bei unserer ersten Auswertung im Juli 2026 fehlten noch zwei. GT Radial führten wir damals gar nicht, den Sava Intensa UHP 2 zwar in vielen Größen, aber nicht in 245/45 R19. Bemerkenswert war das deshalb, weil AUTO BILD in der eigenen Vergleichstabelle genau diese beiden Reifen als „Nicht verfügbar!“ markiert hatte. Zwei Monate später stehen beide im Regal: der GT Radial SportActive 2 EVO 245/45 R19 102Y für 106,80 Euro und der Sava Intensa UHP 2 245/45 R19 102Y für 148,26 Euro.
Daraus folgt eine praktische Lehre für jeden Testleser: Eine Verfügbarkeitslücke ist eine Momentaufnahme, keine Eigenschaft des Reifens. Wer im Frühjahr vergeblich gesucht hat, sollte im Herbst noch einmal nachsehen – gerade bei Modellen, die erst kurz vor dem Test auf den Markt kamen. Umgekehrt gilt: Für die übrigen 18 Reifen war die Bestellbarkeit nie das Problem – wohl aber die Frage, welche Generation man dabei bekommt.
Ein Name, mehrere Generationen – und die Preisfalle beim Vorgänger
Ein Test nennt immer einen Modellnamen. Im Regal steht unter diesem Namen aber oft eine ganze Familie aus mehreren Generationen, die parallel weiterverkauft werden. In der Testgröße 245/45 R19 sieht das so aus: Hankook führt hier acht Ausführungen mit „Ventus“ im Namen, Michelin acht mit „Pilot Sport“, Continental sieben mit „PremiumContact“ und Goodyear vier mit „Eagle F1 Asymmetric“ – in jedem dieser Fälle ist nur eine einzige davon der getestete Reifen.
Nun würde man erwarten, dass die ältere Generation die billigere ist. Wir haben das diesmal strenger geprüft als im Juli und nur innerhalb desselben Last- und Geschwindigkeitsindex 102Y verglichen – also genau der Ausführung, die auch AUTO BILD getestet hat. Das Ergebnis (Stand 18. September 2026, jeweils günstigste lieferbare Ausführung):
- Michelin: Pilot Sport 4 ab 213,02 Euro gegenüber 195,05 Euro für den getesteten Pilot Sport 5 – rund 18 Euro Aufschlag für die ältere Generation.
- Dunlop: Sport Maxx RT ab 187,52 Euro gegenüber 157,17 Euro für den Sport Maxx RT 2 – gut 30 Euro Unterschied.
- Goodyear: Eagle F1 Asymmetric 3 ab 196,94 Euro gegenüber 176,78 Euro für den getesteten Asymmetric 6 – rund 20 Euro mehr für den zwei Generationen älteren Reifen. Der direkte Vorgänger Asymmetric 5 liegt dagegen mit 171,36 Euro knapp darunter.
- Bridgestone: Potenza Sport ab 182,28 Euro gegenüber 177,09 Euro für den Potenza Sport EVO; Nokian: Powerproof 1 ab 152,64 Euro gegenüber 150,01 Euro für den getesteten Powerproof 2. Beide Male ist der Abstand klein – aber er zeigt in dieselbe Richtung.
Bei zwei Familien ist es umgekehrt: Der Hankook Ventus S1 Evo3 K127 liegt mit 141,05 Euro rund 15 Euro unter dem getesteten K137, der Continental PremiumContact 6 mit 190,24 Euro rund 20 Euro unter dem PremiumContact 7. Genau diese beiden waren es im Juli, bei denen der Vorgänger noch teurer war – die Preisfalle wandert also zwischen den Marken, sie ist keine feste Eigenschaft einer Familie. Wer sie systematisch verstehen will, findet die Mechanik in unserem Ratgeber Drei Preisfallen im Reifenregal.
Ein Sonderfall verdient eigene Erwähnung, weil er zeigt, wie feinkörnig das Problem ist. Beim Dunlop sind sich die Quellen zum Test nicht einig: AUTO BILD führt in der Tabelle den „SP Sport Maxx RT“, die Auswertung bei Tyre Reviews den „SportMaxx RT 2“. Das Label in der AUTO-BILD-Tabelle lautet C/A und 72 dB – und genau dieses Label trägt bei uns der Sport Maxx RT 2, während der ältere Sport Maxx RT mit C/A und 70 dB gekennzeichnet ist. Das spricht dafür, dass der getestete Reifen der RT 2 war. Beweisen lässt es sich von außen nicht; genau deshalb gilt der Rat, beim Kauf die vollständige Modellbezeichnung zu prüfen, hier doppelt. Bei uns steht er als Dunlop Sport Maxx RT 2 245/45 R19 102Y.
Und noch eine Ebene tiefer wird es beim Goodyear selbst: Wir führen den Eagle F1 Asymmetric 6 in dieser Größe und in diesem Index zweimal – einmal mit dem Label C/A und 70 dB für 176,78 Euro, einmal mit A/A und 69 dB für 209,19 Euro. Gleicher Name, gleiche Größe, gleicher Index, unterschiedliches Label und 32 Euro Unterschied. Warum das vorkommt und wie oft, zeigt unsere Auswertung 61-mal derselbe Reifenname, zwei verschiedene EU-Label.
Die Kostenrechnung ein halbes Jahr später
Der interessanteste Wert des Tests ist die Rechnung Euro je 1.000 Kilometer: Satzpreis geteilt durch die prognostizierte Laufleistung. AUTO BILD kam damit auf einen klaren Sieger – der Hankook lag mit 11,01 Euro vorn, der Continental mit 17,39 Euro hinten. Nur beruht diese Rechnung auf den Marktpreisen vom Frühjahr 2026.
Wir haben sie deshalb mit den Preisen von heute wiederholt: prognostizierte Laufleistung von AUTO BILD, Preise aus unserem Regal (viermal der günstigste lieferbare Stückpreis der getesteten Ausführung, ohne Montage, Stand 18. September 2026). Das Ergebnis ist eine andere Rangfolge:
- GT Radial SportActive 2 EVO – 8,64 Euro je 1.000 km (Test-Rang 8)
- Giti Sport S2+ – 9,74 Euro (Rang 5)
- Kumho Ecsta Sport PS72 – 9,89 Euro (Rang 6)
- Falken Azenis FK 520 – 10,07 Euro (Rang 15)
- Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6 – 11,08 Euro (Rang 2)
- Hankook Ventus evo – 11,11 Euro (Rang 1)
Am anderen Ende stehen Continental PremiumContact 7 mit 14,95 und Toyo Proxes Sport 2 mit 16,24 Euro je 1.000 Kilometer. Der Testsieger, im Frühjahr noch unangefochten günstigster Reifen im Betrieb, liegt heute auf Platz sechs dieser Rechnung – nicht, weil er schlechter geworden wäre, sondern weil die Preise der anderen stärker gefallen sind. Umgekehrt hat sich der Abstand des Continental nach unten halbiert.
Daraus folgt der vielleicht praktischste Satz dieses Beitrags: Die Kostenrangfolge eines Reifentests ist keine Eigenschaft der Reifen, sondern eine Momentaufnahme der Preise. Die Messwerte aus Papenburg und Alcarràs gelten weiter; die Euro-Zahl daneben gilt nur für den Tag, an dem sie errechnet wurde. Wer heute kauft, sollte sie mit den heutigen Preisen neu bilden – die Rechnung ist einfach genug für den Küchentisch. Wie wir das für ein ganzes Testfeld durchspielen, zeigt unser Beitrag Kosten je 1.000 Kilometer; ob ein Preis gerade günstig ist, verrät der Preisverlauf auf der Artikelseite.
Was der Test für Ihren Reifenkauf bedeutet
Aus alldem lassen sich fünf handfeste Schlüsse ziehen:
- Teuer ist nicht automatisch besser – und günstig nicht automatisch schlechter. Der Sieger war zugleich einer der günstigsten Finalisten im Betrieb, der teuerste Kandidat der teuerste pro Kilometer. Eine ehrliche Einordnung, wann sich der Aufpreis lohnt, liefert unser Ratgeber Premium- oder Budget-Sommerreifen.
- Das EU-Label ersetzt den Test nicht. Alle 20 Finalisten trugen Nasshaftung A, und trotzdem lagen 8,6 Meter zwischen ihnen. Das Label schließt schlechte Reifen aus – die Auswahl unter den guten trifft es nicht.
- Der Abstand nach unten ist groß. Beim Nassbremsen trennten die Finalisten 8,6 Meter – und der disqualifizierte Billigreifen lag noch einmal deutlich darunter. Aus höherem Tempo entscheidet das über einen Auffahrunfall.
- Lesen Sie die Teilnoten, nicht nur den Platz. Ob Ihnen Aquaplaning-Reserve, Laufleistung oder ein leises Abrollen wichtiger ist, entscheidet über den passenden Reifen – die Gesamtnote allein sagt das nicht.
- Übertragen Sie Ergebnisse nicht blind auf Ihre Größe. Getestet wurde in 245/45 R19; in anderen Dimensionen können Aufbau, Mischung und sogar das Label abweichen. Die grobe Rangordnung der Hersteller bleibt aber meist ähnlich.
AUTO BILD oder ADAC – welchem Test soll man glauben?
Am besten: mehreren. AUTO BILD und der ADAC testen in unterschiedlichen Größen, auf eigenen Strecken und mit eigener Gewichtung – deshalb steht mal der eine, mal der andere Reifen vorn. Der Continental PremiumContact 7 ist dafür das beste Beispiel: beim ADAC Gesamtsieger, hier auf Rang sieben. Auch die Rechenwege unterscheiden sich; der ADAC arbeitet etwa mit Abwertungsregeln, die eine einzelne Schwäche stärker durchschlagen lassen, als es eine reine Mittelwertbildung täte.
Ein Muster taucht in beiden Tests auf: Reifen mit einem einzelnen Spitzenwert landen selten vorn. Der Linglong Sport Master hatte bei AUTO BILD den kürzesten Nassbremsweg und wurde Sechzehnter; beim ADAC erreichte derselbe Reifen als Einziger ein „sehr gut“ bei Nässe und landete trotzdem am Tabellenende. Wer sich ein verlässliches Bild machen will, vergleicht die Ergebnisse mehrerer seriöser Tests und achtet auf Modelle, die überall im vorderen Feld auftauchen. Den parallelen ADAC-Vergleich desselben Jahres finden Sie unter ADAC Sommerreifentest 2026. Passende Reifen suchen Sie am schnellsten in unserer Kategorie PKW-Sommerreifen oder direkt in der Testgröße 245/45 R19.
Fazit
Der AUTO-BILD-Sommerreifen-Test 2026 zeigt ein enges, starkes Feld an der Spitze und eine deutlich größere Spannweite dahinter, als die Schlagzeilen vermuten lassen: Von Note 1,1 bis 3,2 liegen zwei volle Notenstufen. Der Hankook Ventus evo gewann als bester Allrounder, der Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6 überzeugte als sparsamster Langläufer, und mit Michelin, Pirelli und Giti folgten drei weitere Reifen mit dem Prädikat „vorbildlich“.
Drei Erkenntnisse stehen aber nicht in der Rangliste. Das EU-Label trennt dieses Feld nicht – alle 20 tragen Nasshaftung A, und der Reifen auf Platz 19 sieht auf dem Etikett besser aus als der Sieger. Ein Testergebnis gilt immer für genau eine Generation eines Modells – und in der Testgröße stehen von den meisten Kandidaten mehrere Generationen gleichzeitig im Regal, in fünf von sieben Familien die ältere sogar teurer als die getestete. Und die Kostenrechnung altert schneller als der Reifen: Ein halbes Jahr nach dem Test führt eine andere Marke die Euro-je-1.000-Kilometer-Liste an. Wer den Testsieg kaufen will, achtet deshalb auf das Kürzel hinter dem Namen – und rechnet den Preis selbst nach.
Quellen: AUTO BILD Sommerreifen-Test 2026 (245/45 R19) von Dierk Möller und Martin Westerhoff, veröffentlicht am 5. März 2026, sowie die aufbereiteten Einzelmesswerte bei Tyre Reviews. Noten, Messwerte, Laufleistungsprognosen und die abgedruckten EU-Label wie von AUTO BILD veröffentlicht. Sortiments-, Label- und Preisangaben aus dem eigenen Bestand, Stand 18. September 2026; Preise sind Tagespreise. Die Rangfolge „Euro je 1.000 Kilometer mit heutigen Preisen“ ist unsere eigene Rechnung aus der AUTO-BILD-Laufleistungsprognose und unseren Stückpreisen ohne Montage.
Häufige Fragen
In welcher Größe wurde getestet?
AUTO BILD prüfte in der Dimension 245/45 R19 102Y, wie sie an Fahrzeugen der oberen Mittelklasse üblich ist. Insgesamt wurden 50 Profile verdeckt eingekauft, die 20 mit der kürzesten Summe aus Trocken- und Nassbremsweg kamen in den Haupttest.
Bedeutet „vorbildlich“ dasselbe wie die Bestnote?
Nein. „Vorbildlicher Reifen“ ist ein eigenes Urteil der AUTO-BILD-Reifentester und laut Redaktion ausdrücklich an keine Schulnote gebunden. Die Noten der fünf so ausgezeichneten Reifen reichen von 1,1 bis 1,4 und tragen die Notenstufe „sehr gut“.
Warum haben alle Testreifen dasselbe Nässe-Label?
Weil die Klasse A beim EU-Label eine breite Schublade ist: Sie beginnt bei einem festgelegten Mindestwert und ist nach oben offen. In diesem Testfeld lagen zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen der Klasse A 8,6 Meter Nassbremsweg aus Tempo 100. Auch in unserem Regal ist A kein Ausschlusskriterium mehr: 99 von 185 Sommerreifen in dieser Größe tragen sie.
Bekomme ich beim Kauf automatisch den getesteten Reifen?
Nicht zwangsläufig. Viele Hersteller verkaufen mehrere Generationen unter einem sehr ähnlichen Namen weiter – etwa Eagle F1 Asymmetric 3, 5 und 6 nebeneinander. Achten Sie deshalb auf die vollständige Modellbezeichnung samt Ziffer oder Kürzel, nicht nur auf Marke und Grundname.